Die Wiedergeburt des Klaas-Jan Huntelaar

Auf der Jagd

Vom Strafraum auf die Bank und zurück: Lange Zeit musste Klaas-Jan Huntelaar auf seine Chance bei Real Madrid warten, nun kann der Holländer auf das Vertrauen seines Trainers bauen und kommt richtig in Fahrt. Die Wiedergeburt des Klaas-Jan Huntelaar Imago Gemessen an seinem Torjubel ließe sich leicht der Schluss ziehen, Klaas-Jan Huntelaar stürme in der Kleinfeldliga für Twente Dinkelland. Denn seine am Wochenende eingesprungene Vorwärtsrolle mit finaler Rückenlandung wirkte derart ungelenk, dass der ihr vorausgegangene Lupfer schier undenkbar schien. Wer bei der einfachsten Überschlag-Übung so kläglich versagt, kann den Ball niemals mit so viel Gefühl über den Keeper heben, mag der eine oder andere die Zusammengehörigkeit der TV-Bilder angezweifelt haben – doch Huntelaar konnte.

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Der holländische Stürmer mag es gerne schlicht; er braucht keinen Flic Flac, um sich um die eigene Achse zu drehen. Das schafft er auch mit weniger Aufwand. Ähnlich hält er es mit seinen Toren: schnörkellos und effizient. Beim 5:2-Sieg Reals über Athletik Bilbao schoss er seine Saisontreffer fünf und sechs. Den ersten mit einem ansatzlosen Rechtsschuss, den zweiten per Heber mit dem linken Fuß. Der Spielertyp Huntelaar wird gemeinhin als kompakt  beschrieben. Er kann vieles gut bis sehr gut, doch hat er weder das Dribbling von Ronaldo, noch den Antritt von Messi. Für Huntelaar spricht kein Argument so sehr wie seine Tore.

Diarra statt Huntelaar für die Königsklasse nominiert

Bevor er im Januar 2009 nach Madrid gewechselt ist, bezweifelten seine Kritiker lange Zeit, dass er es auch außerhalb der Ehrendivision schaffen würde. Talent und Torriecher seien zweifelsfrei vorhanden, doch er habe nicht so offensichtliche Qualitäten wie junge Sturm-Stars aus anderen Ligen. 2006 verzichtete van Basten sogar zugunsten von Kuijt und of Hesselink auf Huntelaars Nominierung für den WM-Kader. Der Jungstar fuhr stattdessen mit der U-21 zur EM, holte mit der Elftal den Titel und die Torjägerkrone.

Es heißt, bei regelmäßigen Einsätzen sei eine Torquote von 50 Prozent ein Spitzenwert für einen Stürmer. Huntelaar hat diesen Wert seit über sechs Jahren nicht unterschritten, erreichte meist 70 Prozent und mehr. So traf er in der Ehrendivision in 199 Spielen satte 145-mal – eine Torausbeute, die ihm den Spitznamen »The Hunter« einbrachte.

Real Madrid war der Protagonist dieser Zahlenspiele 27 Millionen Euro wert, als sie ihn im Januar von Amsterdam in die spanische Hauptstadt lotsten. Huntelaar sollte Topscorer van Nistelrooy ersetzen, der sich am Knie verletzt hatte. Doch kurz nach dem Wechsel kam Juande Ramos für Bernd Schuster – und mit ihm der Karriereknick für den Holländer. Der 17-malige niederländische Nationalspieler fand sich plötzlich auf der Bank wieder, musste sich hinter Stürmern wie Raul und Higuain  einreihen.

Sechs Tore in fünf Spielen

Auch sein geplanter Angriff auf Europas Fußballkrone wurde ausgebremst. Real hatte in der Winterpause neben Huntelaar Lassana Diarra verpflichtet, durfte aber nur einen der beiden für die Champions League anmelden. Die Entscheidung fiel auf Diarra. Daraufhin zitierte die spanische Zeitung »AS« Huntelaar mit den Worten: »Ich halte es nicht mehr aus. Sie haben mich weder für die Champions League gemeldet noch komme ich in der Liga zum Einsatz. Juande setzt kein Vertrauen in mich. Deshalb will ich weg aus Madrid.« Doch der Stürmer dementierte diese Aussage kurz darauf und erklärte: »Ich denke nicht darüber nach, den Verein zu verlassen.«

Sechs Tage später machte er sein erstes Tor für Real. Seitdem läuft es für den Holländer. In den vergangenen fünf Partien brachte er es auf sechs Treffer, spielte im Sturmzentrum und blieb meist über 90 Minuten auf dem Platz. Doch bevor sich Mythen um seine Torerfolge ranken, verriet er bereits vor seiner Zeit als Madrilene seine Abschlusstechnik: »Ecke aussuchen und so gut schießen, dass der Torwart nicht rankommt.«