Die wichtigsten Fragen zum MLS-Start

Ballin in the USA

Heute Abend startet die 23. Saison der Major League Soccer. Kann Atlanta United seinen Titel verteidigen? Gibt es den nächsten Julian Gressel? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen Saison.

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Als Julian Gressel im Dezember mit Atlanta United die Meisterschaft in der Major League Soccer holte, horchte Fußballdeutschland auf. Der 24-jährige Gressel dribbelte im Zentrum eines jungen Teams, das einen schnellen, berauschenden Fußball spielte. War die höchste Liga Nordamerikas etwa nicht mehr das schicke Seniorenheim, in denen einst Thierry Henry, Andrea Pirlo und Kaká ihre Karriere beendeten?

Heute um 19.00 Uhr deutscher Zeit startet die neue MLS-Saison mit der Begegnung Philadelphia Union gegen Toronto FC. Aber halt! Bevor ihr euren 80-Zoll-Flatscreen anschmeißt, die Chicken Wings in den Ofen schiebt und euch vom Massagestuhl durchkneten lasst: Hier kommen die wichtigsten Fragen und Antworten zur Major League Soccer 2019.

Was wird aus Meister Atlanta United?

Holen wir den Rechenschieber heraus, lautet die Antwort: ca. 15,7 Prozent. So hoch ist die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit, dass ein Team seinen MLS-Titel verteidigt. Dreimal in 22 Saisons war das der Fall (D.C. United 1997, Houston Dynamo 2007 und LA Galaxy 2012). Warum das so unwahrscheinlich ist? Es ist gibt zwei entscheidende Hürden, die Serienmeister à la Bayern München und Juventus Turin verhindern sollen. Erstens die Playoffrunde, die zum Ende der Saison mit den 14 besten Teams aus der Eastern und Western Conference ausgespielt wird. Zweitens der Salary Cap, also eine Gehaltsobergrenze. Jeder Klub durfte 2018 nur knapp vier Millionen Dollar an Gehältern für sein Team einplanen – ausgenommen sind davon die Designated Players, drei »Starspieler«, die mehr verdienen dürfen und aus dieser Rechnung rausfallen.

Wer sind also die Titelfavoriten?

Das lässt sich entsprechend schwer vorhersagen. Von den 24 Mannschaften werden neben Atlanta am meisten die New York Red Bulls, New York City, Los Angeles Galaxy, Los Angeles FC, die Portland Timbers und der FC Toronto als Anwärter aufgezählt. Gerade LA Galaxy muss liefern. Trotz des großen Tamtams um die Verpflichtung von Zlatan Ibrahimovic verpasste man 2018 die Playoffs. Umso ärgerlicher war es da für den Rekordmeister (fünf Meisterschaften), dass gleichzeitig der 2014 gegründete Lokalrivale LA FC in seiner MLS-Debüt-Saison direkt in die Endrunde kam.

Rennen der Liga die großen Stars weg?

So scheint es auf den ersten Blick. Mit David Villa und Sebastian Giovinco verabschiedeten sich im Winter zwei der prägendsten Spieler die MLS. Beide wurden in der Vergangenheit als „Most valuable Players“ ausgezeichnet, dem Spieler-der Saison-Award – Giovinco 2015, Villa 2016. Doch zwei Transfers sind noch wesentlich interessanter und zeigen ganz deutlich die neue Ausrichtung der MLS. Gemeint sind Alphonso Davies, 18, und Tyler Adams, 20. Man »wolle keinen Hype« um Davies machen, sagte Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic als er den Neuzugang von den Vancouver Whitecaps im Januar empfing. In Nordamerika war der Davies-Hype da schon längst ausgebrochen. Stolz und zuversichtlich schaute die Liga auf den jungen Kanadier, der in die Bundesiga ging. Sein Heimatverband, die Canadian Soccer Associaton (CSA) ist sich jetzt schon sicher: Davies wird Kanadas Gesicht bei der Mit-Ausrichtung der WM 2026. Ähnlich viel Euphorie folgte auf den Wechsel von Tyler Adams von Red Bull New York zu RB Leipzig.

Die MLS versteht sich zunehmend als eine Ausbildungsliga Europas – das Label der Altherrenklasse soll der Vergangenheit angehören. Neue Stars von internationalem Format werden weniger importiert, sondern ausgebildet.