Die Watsche von Cardiff und ihre Folgen

Der Marionetten-Poldi

Nach dem Spiel ist vor der P-Frage. Ganz Fußballdeutschland spekuliert, warum Lukas Podolski Michael Ballack, den Kapitän der Deutschen Nationalmannschaft, ohrfeigte. War der Clash etwa nur inszeniert? Die Watsche von Cardiff und ihre Folgenimago images
»Eklat!« (bild.de), »das Unfassbare passierte« (stern.de), »Wutausbruch in Wales« (spiegel.de): So klingen die Nachwehen der Watsche von Cardiff; Nachwehen einer Ohrfeige, die Podolski an Ballack verteilte – auf dem Platz, während des Spiels Wales gegen Deutschland. Fachkundige Beobachter sahen sogar Historisches in jenem schmucklosen 2:0-Sieg der Nationalelf. So war »stern.de« der »schwerste Fehler in Podolskis Fußballer-Laufbahn« nicht entgangen – den Wechsel zu Bayern und der Weggang von Bayern ausgenommen.

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Dabei hatte sich auf dem Feld nur zugetragen, was nach Netzerschem Verständnis dazu gehört. So etwas passiere halt auf und neben dem Platz. Ähnliches dürfte sich Podolski auch gedacht haben, als Ballack entschlossen auf ihn zustampfte, um einige taktische Vorgaben auszuschnauben. Daraufhin fühlte sich der Prinz a.D. dazu berufen, »auch mal Emotionen zu zeigen«. Und das klappte recht gut: Zurückgefaucht, Hand ausgefahren, zugelangt. Die Emotionen waren gezeigt, für Rudelbildung und Medienrummel gesorgt.

»Dumm, dümmer, Podolski«


Da ARD-Reporter Claus Lufen »die Dinge jetzt immer direkt ansprechen« will, blies Ballack im Dialog auch gleich zum Gegenangriff: »Wenn ich als Kapitän taktische Anweisungen gebe, hat er sich daran zu halten und nicht handgreiflich zu werden.« Warum Podolski nicht getan hat, was er hätte tun müssen, bleibt ein Rätsel. War er gereizt, weil Robert Earnshaw ihn beim Trikottausch mit Marko Marin verwechselte? »stern,de« versucht es mit einer anderen Erklärung: »Dumm, dümmer, Podolski«.

Doch was, wenn mehr dahinter steckt? Es heißt, Michael Ballacks Position als Kapitän sei geschwächt worden. Doch gleich nach dem Spiel sprachen Bierhoff und die sportliche Leitung mit den Widersachern. Dauer: drei Minuten. Ergebnis: »Sie haben sich tief in die Augen geschaut, damit war die Sache gegessen«, so Bierhoff. Und plötzlich war sie wieder da, die verloren geglaubte Autorität des Capitanos. Denn der Schuldige war schnell gefunden, »zu schnell«, wie gut informierte Quellen wissen. Podolski habe die Anweisungen von Ballack zu akzeptieren, klang es unisono aus dem Lager der DFB-Elf.

»Auffällig, sehr auffällig«, konstatiert auch einer der mitgereisten Deutschland-Fans beim Sichten der TV-Interviews. Ob Lukas Podolski Marionette einer DFB-Inszenierung sei, fragt er sich. Schließlich habe Ballack zuletzt an Glaubwürdigkeit als Kapitän eingebüßt. Als dann Jogi Löw mit den Worten »Michael Ballack hat das Recht, taktische Anweisungen zu geben« über den Schirm wabert, ist das Komplott perfekt. »In manchen Familien werden Minderjährige zu Straftaten angestiftet, weil die noch nicht strafmündig sind«, weiß unser Experte zu berichten. Ballacks Kommentar zu dem Thema: »Podolski ist ein junger Spieler und muss noch viel lernen.« Eine Strafe für Podolski hat Bierhoff derweil ausgeschlossen.