Die Wahrheit über die Besitzer von Manchester City

Fußballklubs als Business-Plattformen

Ganz ähnlich sieht es in Manchester aus. Dort ist man so begeistert von Abu Dhabi, dass das Emirat gerne bereit ist, ein paar PR-Risiken in Kauf zu nehmen. Als Abu Dhabi vor einigen Jahren ein Immobiliengeschäft über eine Milliarde Pfund mit der Stadtverwaltung abschloss, äußerten Menschenrechtsgruppen sich besorgt über das enge Verhältnis der Stadt Manchester zu einer fragwürdigen Regierung. In seiner Antwort beschrieb der Stadtrat das Emirat als »beispielhaften Geschäftspartner« und argumentierte, dass die »angeblichen« Misshandlungen, die dem Emirat vorgeworfen würden, sich dem Einflussbereich der Stadtverwaltung entzögen.

Pearces E-Mails erlauben einen Einblick, warum Abu Dhabi überhaupt Fußballvereine kauft. Es geht dabei um mehr als die Verbesserung der Außendarstellung. In New York wollte Pearce beispielsweise gar nicht, dass der Klub mit Abu Dhabi in Verbindung gebracht würde, weil er fürchtete, dass die Exponierung besagter »Schwachstellen« des Emirats dessen geschäftliche Interessen gefährden könnten.

Fraglich ist auch, ob es Abu Dhabi darum geht, mit dem Fußball Gewinne zu generieren. Zwar betont Manchester City gerne die Tatsache, dass man in den letzten drei Jahren einen Nettogewinn von 32,2 Millionen Pfund eingefahren habe. Doch in den fünf Spielzeiten davor betrug der Nettoverlust fast eine halbe Milliarde Pfund, und der Kauf des Vereins hatte geschätzt rund 210 Millionen Pfund gekostet. Nimmt man alle Verluste seit 2008 zusammen, kommt man auf einen Betrag von wohl über 850 Millionen Euro. Sollte der Plan gewesen sein, alternative Einnahmequellen für die Zeit nach dem Öl zu erschließen, so macht Abu Dhabi bislang keinen guten Job.

Letztlich geht es aber wohl um etwas anderes: Manchester City und New York City ermöglichen es Abu Dhabi, in Macht- und Einflusszentren Fuß zu fassen. Die Klubs sind Plattformen, von denen aus man neue Geschäftsverbindungen knüpfen und alte festigen kann. Auf diese Weise stärken sie den politischen Einfluss des Landes. Es ist nicht klar, ob hier das Hauptziel des Engagements im Fußball liegt, aber die E-Mails von Pearce weisen in diese Richtung. Aus ihnen spricht zwar die schon erwähnte Sorge, dass es eine riskante Strategie sei, eine gewalttätige Diktatur dermaßen ins Rampenlicht zu stellen, aber er ist auch der Überzeugung, das Risiko kontrollieren zu können.

Pearce tut das auf drei Wegen: Erstens stellt er den Eigentümer des Vereins als wohlhabenden und großzügigen Geschäftsmann dar, nicht als allmächtigen Staatsmann, weshalb Mansour Al Nahyan und nicht Kronprinz Mohammed bin Zayed im Vordergrund steht. Zweitens verbreitet Pearce über die Medien Lobeshymnen auf die vermeintliche Fortschrittlichkeit der VAE. Und drittens stellt er die Glaubwürdigkeit oder Beweggründe derer in Frage, die Abu Dhabi kritisieren. Unglücklicherweise macht er all das ziemlich gut.