Die Vorschau auf Spieltag 29

Pandas in Stuttgart

Ronaldo für Mainz? Kagawa für Stuttgart? Die Hertha am Tempelhofer Feld? Beantwortet alle offenen Fragen: Die Spieltagsvorschau.

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Hertha - Hannover

Eine der ganz großen Fragen des Spieltags ist: Was macht Hannover jetzt? Elf Punkte fehlen zum Relegationsplatz, oder mit anderen Worten, zu viele. Insofern dürfen die Hannoveraner ihre vorerst letzten Wochen für eine Art Marketing-Tour nutzen und mit ihren Leistungen bei der Entscheidung mithelfen, wer absteigt oder die Bundesliga nächste Saison international vertritt. Erstes Paradebeispiel ist die Hertha. Verliert die Mannschaft von Pal Dardai nämlich am Freitagabend, könnte der mühselig erarbeitete Vorsprung auf die Verlierer-Cup-Plätze wieder schneller weg sein, als man in Berlin »Flughafen« sagen kann. Apropos Flughafen: Nach den zuletzt grandiosen Bauerfolgen am Hauptstadtflughafen wollen die Herthaner jetzt ein eigenes Fußballstadion bauen. Präsident Werner Gegenbauer rechnet mit 25 Jahren bis zum Einzug, was in Berlin bedeutet, dass die neue Arena wohl zum 200-Jährigen Vereinsjubiläum 2092 fertig sein wird. Laut einem Voting der »B.Z.« favorisieren die Fans den Standort am Tempelhofer Feld, dem ehemaligen Flughafengelände. Sinn für Ironie haben sie ja in Berlin.

HSV - Darmstadt

Enttäuscht reisten die HSV-Fans am vergangenen Wochenende aus Hannover nach Hause: Mit dem Sieg gegen die Niedersachsen sind die Chancen auf den Relegationsplatz deutlich gesunken. Eine Situation, die für die Hamburger Gastwirte massive Einbußen im zweiten Quartal bedeuten würde. Am Samstag bietet sich für die Hamburger allerdings noch die Gelegenheit, doch wieder hinten rein zu rutschen. Eine Niederlage gegen Darmstadt und alles ist wieder möglich. Beim SV Darmstadt platzierte man sich unter der Woche freudig auf Platz 18: DFL und DFB veröffentlichten, wie viel die Bundesliga-Klubs Spielerberatern überweisen. Heraus kam: Niemand zahlt Beratern so wenig wie die Lilien. Das dürfte sich unter dem neuen Kadermanager Holger Fach nicht ändern. Der gab nämlich zu Protokoll, dass es aus seiner Sicht im Fußball heutzutage nur noch um »persönliche Eitelkeiten« geht. Ein Darmstadt-Sieg am Wochenende wäre ein wichtiger Schritt in Richtung Klassenerhalt für den Aufsteiger und würde dank der herrlich urigen Normalität am Böllenfalltor nicht nur den Hamburger Gastwirten, sondern auch der Bundesliga gut tun.

Stuttgart - Bayern

Samstagnachmittage, an denen die Bayern zu Gast sind, rufen bei Bundesligatorhütern normalerweise Panikattacken und hysterische Angstzustände hervor. Nicht aber bei Mitch Langerak: Der junge Australier, der seit Saisonbeginn nicht mehr bei Borussia Dortmund, sondern beim VfB Stuttgart auf der Bank sitzt (immerhin mit S-Klasse statt Astra als Dienstwagen), hat bisher viermal gegen die Bayern gespielt und viermal gewonnen. Eine weiße Weste gegen den FC Bayern - wäre Langerak eine Tierart, man würde ihn zur bedrohten Spezies deklarieren und zu den Pandas in ein Reservat stecken. Problem für den VfB Stuttgart: Am Wochenende wird Przemyslaw Tyton das Tor hüten, der die durchschnittliche Bundesliga-Statistik gegen die Münchner vorweist (ein Spiel, kein Sieg, vier Gegentore). Zweites Problem: Selbst wenn Langerak spielen würde, seine Vordermänner hießen nicht Sahin, Kagawa und Reus, es wäre nicht 2011 und seine Mannschaft stünde kurz vor dem Bundesligatriumph.

Bremen - Augsburg

Wenn uns als begeisterte Bundesliga-Fans schon Jahr für Jahr der wirklich enge Kampf um die Meisterschaft im Stich lässt, dann sehnen wir uns nach solchen Spielen: Die tapferen Skripniker aus Bremen gegen die langsam aber sicher unter Druck geratenden Europaligisten aus Augsburg, das schreit doch geradezu nach einem 5:4 mit drei Platzverweisen. Besonders brisant ist mittlerweile die Situation in Augsburg. Trainer Weinzierl steht dort mittlerweile merklich unter Druck. Lustigerweise aber nicht wegen der anhaltenden Misere seiner Mannschaft, die seit dem Spiel gegen Hannover im Februar nicht mehr gewinnen konnte, sondern weil sich weiterhin die halbe Liga um ihn reißt. Begehrt wie kein anderer trotz in letzter Zeit desolater Ergebnisse im Abstiegskampf - so in etwa hat man sich die Träume von Thomas Schaaf vorzustellen.

Frankfurt - Hoffenheim

Wenn die Eintracht auf die TSG trifft, dann geht es nicht nur um den Abstieg oder die Relegation, sondern auch um den Klassenkampf in der Bundesliga. Ein Gerangel der strauchelnden Traditionalisten mit den Neureichen aus der Provinz. Frankfurt gegen Hoffenheim wirkt wie der Kampf zweier angeschlagener Boxer, die sich nachmittags den uninteressanten Vorkampf beim Aufeinandertreffen zweier Boxställe liefern. Das »Team Marktwert« schickt für die Traditionalisten mit den Frankfurtern den angetrunkenen Bruder der derzeit erfolgreichen Hertha ins Rennen, die Neureichen werden auf der anderen Seite durch die Kraichgauer Vorhut der Freunde der österreichischen Brausegetränke vertreten. Der Samstag könnte insofern die Bühne für einen legendären Kampf um das Schicksal der Bundesliga werden - oder für ein 0:0, dass den Weg beider Vereine in die Zweitklassigkeit einleitet.