Die Vorrunden-Bilanz der DFB-Elf

Sein oder Nichtsein

Die deutsche Elf hat eine erfreuliche Vorrunde gespielt, findet Tim Jürgens. Um wirklich Weltmeister zu werden, muss die Mannschaft aber noch den Beweis erbringen, dass sie auch den Willen dazu hat.

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Auf der To-Do-Liste dieser WM hat Jogi Löw schon einige Haken gemacht. Im Vorfeld wurden schließlich etliche Widrigkeiten ins Feld geführt, um ein eventuelles Scheitern der DFB-Elite frühzeitig zu begründen. Die Temperaturen, die Luftfeuchtigkeit, das unfertige Quartier in der Einöde, überhaupt: der stetige Fight zwischen der deutschen Akkuratesse und der brasilianischen Behäbigkeit. Allesamt Dinge, die jetzt getrost als erledigt betrachtet werden können. Denn die Statistik lügt nicht. Selten in der WM-Geschichte hat es die DFB-Equipe in der Vorrunde mit einer derartigen Ansammlung von hochkarätigen Gegnern zu tun bekommen. Am Ende stehen zwei Siege und ein Unentschieden. Sieben Punkte. Gruppensieger. Nicht makellos, aber denkt man an England, Spanien und Italien, dann hat das deutsche Team eine högscht zufriedenstellende Vorstellung abgeliefert. Der Rhythmus stimmte, die Stimmung offenbar auch. Portugal wurde mit ideenreichem Vertikalspiel seines Selbstbewusstseins beraubt, die USA mit solidem Ballhalten niedergerungen.

Wasserschlacht von Recife

Nun führt der Weg in den Süden, die extremsten Bedingungen hat das Team mit der Wasserschlacht von Recife und dem epochalen Match in Fortaleza gegen Ghana bei 30 Grad in der untergehenden Sonne und drückender Luft definitiv hinter sich.

Die Abläufe in Campo De Bahia ähneln denen früherer Turniere. Das Team scheint sich selbst genug zu sein. Nach Spaziergängen am öffentlichen Strand, wie sie die Holländer in Rio unternehmen, scheint niemandem aus der Gruppe ernsthaft der Sinn zu stehen. Ein echter Lagerkoller, den Lebemänner wie Sepp Maier in Malente noch mit Ausflügen in Hamburger Vergnügungsviertel kompensierten, steht nicht zu befürchten. Zumal den Jungs heute Einzelzimmer und Zugang zum Internet zur Verfügung stehen.

Auch Schweinsteiger wieder auf dem Weg zur alten Klasse

Der Ausfall von Marco Reus fiel bis jetzt ebenfalls nicht gravierend ins Gewicht. Im Match gegen Klinsmanns US-Boys war eine deutliche Leistungssteigerung beim anderen deutschen Unterschiedsspieler, Mesut Özil, erkennbar. Auch Bastian Schweinsteiger scheint sich langsam wieder seiner einstigen Klasse anzunähern. Mit anderen Worten: Es könnte nicht besser laufen?