Die verrückte Saison des KV Mechelen

Der Nebel hat sich noch nicht verzogen

Zwei Stunden vor dem Anpfiff riegelt die Polizei die Straßen ums Stadion ab. Patrick, Sven und die anderen Mitglieder des Fanklubs haben ihre Stehplätze in Block I eingenommen. Hitzig und ungeduldig klingt der Applaus, als die Spieler einlaufen. Da ist etwas gewachsen zwischen Tribünen und Spielfeld, zwischen Fans und der Mannschaft. Patrick hat geträumt, dass Malinwa 3:0 gewinnt. Doch zur Halbzeit ist noch kein Tor gefallen. Sven sagt: »Jetzt kommt dieses Gefühl vom letzten Jahr wieder hoch. Diese Unsicherheit.«

Es wird eine schwierige Dreiviertelstunde, in der Mechelen zwar erst in Führung geht, doch durch einen unberechtigten Elfmeter den Ausgleich schlucken muss. Danach gibt selbst Sven, Fan seit drei Jahrzehnten, die Hoffnung auf. »Das ist kein Fußball mehr, das ist Panik!« Tatsächlich scheint dieses ganze verrückte Jahr die Gelb-Roten auf einmal zu erdrücken. Doch dann, in der 88. Minute, knallt der Franzose Clément Tainmont einen Verzweiflungsschuss ins Tor von Beerschot. 2:1! Das entscheidende Tor zum Aufstieg? 

»Diese Saison übertrifft alles«

Am Ende der Nachspielzeit halten die Fans auf den Stehplätzen einander in den Armen. Wird es jetzt tatsächlich passieren? »Bitte klettern Sie nicht über die Absperrung«, ruft die Stadionsprecherin über die Lautsprecher. Keine Minute später taumeln alle Fans in Rot und Gelb über den Rasen. Mechelen feiert den Aufstieg! Als der erste Druck heraus ist, sagt Sven ergriffen: »Für mich übertrifft diese Saison alles. Selbst damals, als wir den Klub retteten und danach wieder aufstiegen.« 

Foto: Jan Mulders

An diesem windigen Abend Mitte März übertönt die ausgelassene Meisterfeier auch die Grabesstille nebenan. Doch als Mechelen am nächsten Tag erwacht und der Kater überwunden ist, geht das Hoffen und Bangen weiter. Sven erwartet eine schnelle Entscheidung des Verbands, Patrick eher eine weitere Hängepartie. Er scheint Recht zu behalten. Spekuliert wird weiter viel, doch niemand weiß etwas Genaues. Irgendwas ist da vorgefallen, nur was? Der Nebel um das Stadion hat sich noch nicht verzogen. Patrick, der als Finanzberater arbeitet, befürchtet weiter jeden Morgen, die erste Nachricht des neuen Tages könnte eine schlechte sein. Eine über seinen geliebten Klub.

Unterdessen rückt das Pokalfinale am 1. Mai näher. Gegner ist der Erstligist KAA Gent, Brüssel der Spielort. Euphorie schwappt durch die gelb-roten Kneipen und Fan-Foren. »Wenn wir gehen, gehen wir mit allen, Heysel überfallen!« – so klingt der Frühling in Mechelen. Noch einmal muss Malinwa zusammenstehen in der verrücktesten Saison der Vereinsgeschichte. Und dann weiter abwarten.