Die verrückte Saison des KV Mechelen

»Absurde Theorien«

Unterdessen laufen die Justizermittlungen weiter. Der einstige Makler Veljkovic hat mit den Behörden eine Kronzeugenregelung getroffen und wird noch immer befragt. Auch die Untersuchungen des belgischen Verbands zu den Bestechungsvorwürfen sind noch nicht abgeschlossen. Oder doch? Als Mechelen Ende Februar eine satte 0:5-Packung gegen Union Saint-Gilloise kassiert, vermuten viele Beobachter, die Entscheidung des Verbands sei gefallen. Der Klub reagiert mit einem Statement, spricht von »absurden Theorien«. Sportlich steht das Finale Anfang März an, in Hin- und Rückspiel geht es erst bei Beerschot, dann in Mechelen um Meisterschaft und Aufstieg. Parallel schreiben die Zeitungen, auch das Urteil des Verbands zu den Manipulationsuntersuchungen stehe kurz bevor. 

Das erste Spiel endet 0:0. Am Tag des Rückspiels betritt Dieter Penninckx gegen Mittag die Skybox. Der erfolgreiche Modeunternehmer aus Mechelen, glühender KVM-Fan seit der Kindheit, stieg Ende 2017 bei seinem Herzensverein ein. Über sich selbst sagt er: »Ich bin der nüchterne Junge geblieben, der ich immer war. Ich brauche kein tolles Auto. Aber ein Fußballklub ist etwas anderes!«

»Wir müssen alle an einem Strang ziehen!«

Eigentlich ist Penninckx, 43 Jahre alt, kein Freund großer Auftritte. Doch als im Oktober drei Vorstandsmitglieder in Untersuchungshaft saßen, stellte er sich unten auf dem Rasen vor die Anhänger und schwor sie ein: »Wir müssen alle an einem Strang ziehen!« Mit dem Agenten Veljkovic, sagt Penninckx nun, habe er nie ein Wort gewechselt. Doch dass der Berater neun Spieler im Kader platzieren konnte und ein anderer Vermittler sieben, fand Penninckx schon aus betriebswirtschaftlicher Sicht ungesund. Innerhalb eines halben Jahres setzte Penninckx durch, dass kein Vermittler mehr als drei Spieler im Kader betreuen darf. Auch persönlich habe er Veljkovic misstraut: »Ich fühlte, dass dies kein Mann ist, mit dem ich Geschäfte machen will.«

Foto: Jan Mulders

Wie aber kommt ein einzelner Spielervermittler innerhalb eines Vereins an so viel Macht? Für Penninckx liegt dies an Sachzwängen: »Viele Klubs sind davon abhängig, dass am Ende des Jahres die Bilanz stimmt. Beim Verkauf von Spielern braucht man einen positiven Saldo. Am schwierigsten ist es, Reservespieler zu verkaufen. Und Vermittler wie Veljkovic haben ein Näschen dafür.« Auch der Eigentümer schwört Stein und Bein, seitens des Vorstands habe es im vergangenen Jahr nie einen Deal mit Waasland-Beveren gegeben. »Für mich ist dies die Geschichte eines Maklers mit großem Netzwerk, der sich interessant machen wollte.«