Die verrückte Saison des KV Mechelen

Manipulationsvorwürfe erschüttern den Klub

Seit einem Jahr ist nicht mehr viel in Ordnung. Die Vorwürfe um die Spielmanipulationen beginnen am 11. März 2018. An diesem Tag steht in der ersten belgischen Liga die letzte Runde an. Malinwa, in den späten Achtzigern Meister, Pokal- und Europacupsieger, ist Vorletzter, punktgleich mit der KAS Eupen, hat aber zwei Tore Vorsprung. Der Letztplatzierte steigt ab. 

Das 2:0 gegen Waasland-Beveren scheint genug, doch in den letzten zwanzig Minuten trifft Eupen vier Mal. Am Ende fehlt den Gelb-Roten genau ein Tor. Die Vrijboekvrienden und 15 000 andere Fans, die schon die Rettung gefeiert haben, bleiben im Stadion zurück. Eine ganze Stunde, in völliger Stille. Über das Spiel in Eupen munkeln sie: Lief das alles sauber? Wurde manipuliert? Nicht nur in Mechelen traut man der Sache nicht. Auch Fußballjournalisten kommentieren offen, dass ihnen die Ereignisse verdächtig erscheinen. Doch Beweise gibt es nicht. 

Foto: Jan Mulders

Mechelen findet sich mit der Zweitklassigkeit ab. Sie kennen das Leid. 2002 sammelten Fans über 300 000 Euro und retteten ihren hochverschuldeten Klub. Auch den sportlichen Absturz in die dritte Liga standen Fans und Verein gemeinsam durch. Im Sommer 2018 kaufen die Anhänger erstmals über 10 000 Dauerkarten. Doch der erklärte Aufstiegsfavorit fährt den Saisonstart an die Wand. Der Trainer wird entlassen. Eine Krise. Und doch ein Kindergeburtstag, verglichen mit dem, was noch kommen soll. 

Der Makler, »König der –ic‘«

Am 10. Oktober 2018 platzt im belgischen Fußball eine Bombe: Im Morgengrauen durchsuchen Polizisten die Geschäftsstellen von neun Profiklubs, darunter auch die des KV Mechelen. Es geht um illegale Finanzkonstrukte, mit denen zwei der wichtigsten Spielervermittler der Liga Kommissionszahlungen bei Transfers und Spielergehältern auf Offshore-Konten umleiteten. 

Die »Makler«, wie man sie in Belgien nennt, sind Mogi Bayat und Dejan Veljkovic. Bayat spielte bis vor kurzem beim RSC Anderlecht eine tragende, doch wenig transparente Rolle. Veljkovic, dank guter Kontakte auf dem Balkan bekannt als »König der –ic‘«, galt als »Haus-Makler« des KV Mechelen, bei dem er mitunter neun Spieler betreute.

Das Abstiegsspiel unter Manipulationsverdacht

Das Ausmaß des Filzes scheint selbst im skandalerprobten Belgien alles bisher Bekannte in den Schatten zu stellen. Zumal offenbar auch zwei der profiliertesten Schiedsrichter des Landes im von gegenseitigen Gefallen geprägten Beziehungsgeflecht der Vermittler eine Rolle spielten. Auch mehrere Sportjournalisten sollen in Absprache mit Veljkovic Schiedsrichtern bessere Bewertungen gegeben haben. 

Bald aber gerät vor allem der KV Mechelen in den Fokus. Im Rahmen der Ermittlungen wegen Geldwäsche haben die Fahnder das Telefon von Dejan Veljkovic angezapft und kommen so einem zweiten Verdachtsfall auf die Spur: der Bestechung in den letzten Spielen der Vorsaison, als Mechelen absteigen musste. Einer der befragten Schiedsrichter, ein guter Bekannter von Veljkovic, fiel damals durch umstrittene Entscheidungen für Mechelen und gegen den Kontrahenten aus Eupen auf.