Die verrückte Indoor-Fußball-Liga in London

Hall of Shame

Vor über 100 Jahren versuchte ein Amerikaner eine Indoor-Fußballliga in London zu etablieren. Dafür ließ er den größten Teppich produzieren, den die Welt je gesehen hatte.

In den vergangenen 150 Jahren hat es im Fußball immer wieder motivierte Daniel Düsentriebs gegeben, die den Sport mit besonders ausgefallenen Ideen und Erfindungen verändern wollten. Am 28. Oktober 1992 meldete etwa ein Tüftler das sogenannte »Mit einem Druckmittel betriebenes Superhorn« an. Die Patentanmeldung liest sich so:
 
»Die Erfindung betrifft ein mit einem Druckmittel betriebenes Superhorn, das ein Druckmittelzuführungsrohr, ein Schallrohr bzw. einen Schalltrichter und eine Membran aufweist, wobei das Schallrohr bzw. der Schalltrichter erfindungsgemäß im Druckmittelzuführungsrohr angeordnet ist, so dass zwischen ihnen ein Luftspalt besteht und das Druckmittelzuführungsrohr, das Schallrohr bzw. der Schalltrichter und der Luftspalt am gleichen Seitenende durch die Membran begrenzt werden, wobei  das Blasloch vorzugsweise in der Wand des Druckmittelzuführungsrohres ausgebildet ist.«
 
Hallo? Noch da? Gut, also weiter. Denn auch was Fußballregeln angeht, ist der Fußball reich kuriosen Geschichten. Es gab: das Silver-Goal, das Golden-Goal, in den US-amerikanischen NASL gab es Ende der Siebziger sogar das Shoot Out. Und wer erinnert sich nicht gerne an die Zeit, als über den »Einschuss« diskutiert wurde (»Eine grandiose Idee«, Zitat: Ottmar Hitzfeld).

Nackt-EM, Roboter-Bundesliga
 
Besonders skurril wurde es aber stets, wenn sich die Superkreativen neue Turniere ausdachten: eine Moorfußball-Champions-League, die Nackt-EM, die Roboter-Bundesliga. Oder eine WM in Katar.
 
Diese Woche berichtete »When Saturday Comes« von einem ganz besonderen Turnier aus dem frühen 20. Jahrhundert, das vollkommen zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist: Die Indoor-Football-League.
 
Der Mann hinter dem Projekt hieß Edwin Cleary, ein Jura-Student, Straßenbauer und Shakespeare-Schauspieler aus Kentucky. Er plante, das Turnier Anfang in der Olympiahalle in Kensington/London stattfinden zu lassen. Ein Haus-Team sollte gegen ausgewählte Mannschaften antreten, gespickt mit den Stars der First Division.


 
Cleary engagierte 22 ehemalige Profis, die 4 Pfund pro Woche erhielten, was in etwa dem damals üblichen Gehalt der FA-Klubs entsprach. Unter ihnen war auch James Trainer, der mit Preston North End zweimal die englische Meisterschaft gewonnen hatte. Trainer sollte Torwart der Mannschaft sein und  die Indoor-Liga federführend organisieren. Als Gegner sollten verschiedene Teams der englischen FA auflaufen.

»Es wird ein riesiges Spektakel!«
 
Zugleich ließ Cleary den größten Teppich produzieren, den die Welt je gesehen hatte. Die »Times« war sehr angetan von dem Untergrund und der Idee. Sie berichtete: »Die Fans werden hier sehr schnelle Spiele sehen, es wird ein riesiges Spektakel!« Und auch Cleary und Trainer waren sich sicher, dass dieses neue Turnier sie allesamt zu sehr reichen Männern machen würde. Sie sollten sich irren.
 
Als James Trainer im Alter von 52 starb, war er bettelarm. Und auch Cleary musste schon kurze Zeit später Insolvenz anmelden.
 
Where did it all go wrong?