Die verrückte Geschichte eines holländischen Groundhoppers

»Keine Polizei, kein Abtasten, kein Getue«

In den Niederlanden ist Groundhopping später populär geworden als in Deutschland oder vor allem England. Als Panhuijsen im September 1984 sein erstes Spiel besuchte, war selbst das Wort noch kaum bekannt. Inzwischen ist er seit mehr als drei Jahrzehnten unterwegs, und da hat sich eine Menge angesammelt.

Die stattliche Sammlung von Spielprogrammen, wie es sie im niederländischen Amateurfußball häufiger gibt als in Deutschland, sind in allen Schränken und Winkeln seines Schlafzimmers verstaut. Die Wände sind voller Wimpel und Miniaturtrikots. Aus diesem Sammelsurium an Devotionalien vermag er mit schlafwandlerischer Sicherheit und in Sekundenschnelle ein einzelnes Objekt hervorzuzaubern. Als die Fotografin ihn fragt, ob er den Klub aus dem Dorf ihrer Kindheit schon besucht habe, präsentiert er in wenigen Augenblicken das passende Programmheft.

Gute Planung ist die halbe Miete

Das ist kein Zufall. Seit 17 Jahren schon ist John Panhuijsen im Stadtarchiv von Amsterdam angestellt, wo er an seinem Arbeitsplatz täglich einen anderen Wimpel aufhängt. Für die Wochenenden hat er Listen angelegt: Klubs in Samstags- und Sonntagsligen, Klubs nach Regionen, Klubs mit Naturgras, Klubs mit Kunstrasen.

Gute Planung ist die halbe Miete, denn Kunstrasen macht eine Spielabsage viel unwahrscheinlicher. Trotz aller Planung mag Panhuijsen an seinen Reisen aber, »dass ich nie vorher weiß, was mich erwartet«. Außerdem gefällt ihm in den Amateurligen: »Keine Polizei, kein Abtasten, keine Jahreskarten und kein Getue.«

Nur eines ist für den Mann, der wegen eines angeborenen Herzfehlers nie selbst gekickt hat, unerlässlich: Tore. »Ich hasse Null zu Nulls«, sagt er. Mit dem Groundhopping aufzuhören, darüber denkt er nicht einmal nach. John Panhuijsen ist bereit für die neue Saison. »Ich fühle mich wie 18.«