Die unfassbare Durststrecke des Saido Berahino

Gott Saidonk

Als Saido Berahino das letzte Mal ein Tor erzielte, war Obama noch Präsident, Thomas Tuchel saß beim BVB fest im Sattel und Max Meyer war die Zukunft des deutschen Fußballs. Nun traf er unnachahmlich hässlich gegen Huddersfield.

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Anfang 2015 geht ein Best-Of-Video von Saido Berahino auf Youtube online. Ein Fan des Liverpool FC schneidet es im sicheren Glauben daran, dass dieser Top-Stürmer im Sommer an die Anfield Road wechseln würde. Das Video zeigt den jungen Stürmer von West Bromwich Albion, der aus wirklich allen Lagen zu treffen scheint. Per Kopf, per Elfmeter, per Fernschuss. Doch vier Monate nachdem dieses Video das Licht der Welt erblickt, wechselt die englische Sturmhoffnung, die damals 21 Jahre alt war, nicht nach Liverpool. Er bleibt allen Erwartungen zum Trotz bei West Brom. Und wieso auch nicht? Es läuft gut für den U21-Nationalspieler, dem in 38 Spielen 14 Tore gelingen. Eine Quote, die er nie wieder erreichen sollte. Nicht einmal annähernd.

Denn ein Jahr nachdem besagtes Fan-Video seinen Wechsel zum FC Liverpool ankündigt, schießt er für einen langen Zeitraum sein letztes Tor. Vom 26. Februar 2016 bis zum 28. August 2018 bleibt der Stürmer ohne Tor für die Profis. Sein Unvermögen wird zum Running-Gag unter englischen Fußballfans. Die Best-Of-Videos auf Youtube machen Platz für Zusammenschnitte seiner Patzer.

Der Weg in die Torlosigkeit

Zur Saison 16/17 wechselt er zu Stoke City. Der Verein bezahlt für den Stürmer satte 12 Millionen Pfund. Bei Fans und Trainer fällt er schnell in Ungnade, als er kurz nach seiner Verpflichtung positiv auf Ecstasy getestet wird. Durch schlechte Trainingsleistungen und eine achtwöchige Suspendierung kommt er in der Saison auf nur 13 Einsätze. Ein Jahr später steht Stoke City im Tabellenkeller und Berahino sitzt vor allem auf der Bank. Als Trainer Mark Hughes entlassen und durch Paul Lambert ersetzt wird, kommt es für den Stürmer noch schlimmer. Der schottische Trainer hält nämlich gar nichts vom ehemaligen Talent und steckt ihn für die zweite Saisonhälfte in die zweite Mannschaft. Am Abstieg ändert das jedoch nichts. Nach nur vier Monaten wird auch Lambert entlassen. Sein Nachfolger Gary Rowett setzt in der zweiten englischen Liga nun wieder auf Saido im Sturm.

Und nach 912 Tagen und 48 Spielen gelingt dem »Pechvogel« endlich wieder ein Tor. Er, der in den letzten zwei Jahren nur einen Scorerpunkt (eine Vorlage gegen Arsenal) verbuchen konnte, trifft im EFL-Cup gegen Huddersfield in unnachahmlicher Manier. Zwar schlägt der Ball nicht im Lattenkreuz ein, wie es in seiner Zeit bei West Brom so häufig der Fall gewesen war. Der Kopfball hat wahrscheinlich nicht einmal genug Wucht, damit er das Tornetz zum Schwingen bringen kann, allerdings reicht die Kopfball-Bogenlampe, um Ex-Mainzer Jonas Lössl zu überwinden.

Im anschließenden Interview ist ihm die Freude sichtlich anzumerken. Er sieht das Tor als Auftakt für weitere und scherzt, dass er doch eigentlich drei Buden gegen Huddersfield hätte machen können. Übrigens: Am Wochenende geht es für Stoke und Berahino gegen dessen Ex-Klub West Brom. Die Fans »der Drosseln« fürchten sich schon und rechnen, wenn man den Sozialen Medien glauben schenkt, in jedem Fall mit einem Tor des Stürmers.