Das volle Programm für die EM in Frankreich
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Hublot

Die Ultra-Pioniere von Marseille

OM ist Magie

Noch ein letztes Mal bei diesem Turnier blickt die Fußball-Welt morgen nach Marseille. Ein Treffen mit den ersten Ultras Frankreichs.

imago

Die Sonne brennt auf den Cours Honoré-d´Estienne-d´Orves, unweit vom Alten Hafen von Marseille. Es ist so heiß, wer sich nicht schnell unter einen der Schirme der vielen Cafés und Restaurants flüchtet, denkt ernsthaft über einen erfrischenden Sprung ins Wasser nach. An diesem Tag sind alle Stühle besetzt. Marseille macht Mittagpause. Zwischen den Einheimischen sitzen Männer und Frauen in Fußballtrikots, Touristen quälen sich durch die Hitze, das Leben tritt mal eben auf die Bremse.

Beinahe wäre hier ein Mensch gestorben

Unvorstellbar, das genau hier vor wenigen Wochen russische Hooligans durch eine der kleinen Seitengassen stürmten, um Engländer anzugreifen, die in diesen Cafés ihr Bier tranken. Die Krawalle von Marseille fanden hier ihren traurigen Höhepunkt, auf einen der Engländer traten die Russen so brutal ein, dass er beinahe seine schweren Kopfverletzungen erlegen wäre.

Eigentlich ein komischer Ort, um über die Ursprünge der heute wichtigsten Fan-Bewegung des Landes zu sprechen.

An einem Tisch sitzen Pedro und Fabrice. Pedro ist 48, die dunklen Haare zurück gegeelt, Geheimratsecken, freundliches Gesicht. Vor vielen Jahren lebte er mal mit der Familie in Bielefeld, deutsch spricht er immer noch beeindruckend gut. Heute arbeitet Pedro als Journalist, Fachgebiet: Wissenschaft. Fabrice, Versicherungsfachmann, 50 Jahre alt, sieht aber mit dem eleganten Seitenscheitel und der Sonnenbrille aus wie ein Schauspieler, der schon mal Gary Cooper doublen musste. Diese Herren haben die Ultra-Kultur nach Marseille gebracht. Und damit nach Frankreich.

Eine Idee für die Kurve

Bei einer Karaffe kaltem Rosé erzählen die beiden ihre Geschichte. Eine Geschichte von jugendlichem Enthusiasmus, Pioniertaten mit Pyro und Pappmaché, den kleinen Anfängen, großen Spielen und einer Idee, die erst nach Marseille, dann durch ganz Frankreich und erst viel später auch nach Deutschland schwappte.

Anfang der achtziger Jahre ist die Fankultur in Frankreich, wenn man sie denn so nennen möchte, nicht wirklich existent. In Marseille wie in anderen Städten gehen vorrangig Männer und Jungen zu den Spielen, man klatscht und jubelt bei Toren und tollen Aktionen, vereinzeltes rhythmisches Klatschen und eine Handvoll Gesänge, mehr kommt nicht aus der Kurve. Man kennt es nicht anders, so ist es eben.

Jeder hat einen Klub im Ausland

Fabrice und Pedro sind gerade erst volljährig geworden. Sie lieben Olympique Marseille, wie jeder in Marseille OM auf irgendeine Art und Weise in sein Herz geschlossen hat. Aber sie sind jung und wissen, dass die Welt nicht hinter der Stadtgrenze aufhört. Also wagen sie einen Blick dahinter. Und finden das Paradies. 1983 reist Fabrice nach Turin, um mit italienischen Freunden Juve zu sehen, Pedro tut es ihm wenige Monate später nach, er allerdings geht zum AS Rom. Jeder junge OM-Verknallte hat in diesen Jahren auch eine Geliebte im Ausland. Und die beiden Männer machen ihre Erfahrungen.

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