Die ultimative Kreisliga-Typologie: Der Trainer

Der Schleifer und der Althauer

4. Der Schleifer
Seine besten Freunde: die Treppe, der Medizinball und die Facebook-Seite von Felix Magath. Qualität kommt schließlich von quälen. Und wer in der Saisonvorbereitung nicht mindestens einmal kotzt, hat den Fußball nie geliebt. Taktik hält er für ein chinesisches Brettspiel, wichtig ist »Männer, dass wir geschlossen auftreten, dass einer für den anderen durchs Feuer geht«. Wenn er solche Sätze spricht, steigt die Temperatur im Raum merklich an. Partybären, Taper, Dribbler und Typen, die früher auf jeden Fall mal höher gespielt haben, kann er weder leiden noch gebrauchen. Dafür zollt er schon mal dem gegnerischen Abwehrschrank Respekt, wenn der zu einer dieser Grätschen angesetzt hat, für die man gut und gern zivilrechtlich belangt werden könnte, solange sie nur ein Gegentor verhindert hat. Nennt seine Frau durchgehend »Mutti« und hat in seinem Leben genau einmal geweint: Bei der Beerdigung von Rauhaardackel Max.

5. Der Spielertrainer
Zwei Dinge zeichnen ihn seiner Selbsteinschätzung nach besonders aus: Er hat es drauf, und er kann nicht Nein sagen. Schon als Spieler-Spieler war er der verlängerte Arm seines damaligen Trainers, auch wenn sich die beiden nicht immer einig waren darüber, welcher Arm denn nun genau gemeint war. Hätte garantiert höher spielen können, schaute aber immer schon gerne über den Tellerrand hinaus und wollte allein deshalb nicht alles auf eine Karte setzen. Hat sich mehr geziert als ein schüchterner Koi im Lachszuchtbecken, als sie ihn gefragt haben, ob er sich eine Doppelfunktion vorstellen könne: »Also darauf bin ich jetzt wirklich nicht vorbereitet!« Dann fiel ihm der auf drei Wochen vorgeschriebene Trainingsplan aus der Tasche. Jetzt möchte er der Mannschaft eigentlich nur noch im Notfall helfen. Wechselt sich trotzdem regelmäßig zehn Minuten vor Schluss selbst ein, weil er ja »keine Optionen« mehr hatte. Der dicke Linksaußen, der zu jedem Training kommt, aber nie spielt, sieht das anders.

6. Der Althauer
Hat nicht nur bereits die halbe Liga trainiert, sondern auch schon mal im Ausland. Zweite Liga Liechtenstein. Dritte Liga Luxemburg. Größter Erfolg: keiner. Verfolgt die Trainingseinheiten, als würde er für eine Bronzestatue posieren. Seine wenigen Anweisungen erfolgen in der Regel im Feldherren-Imperativ: »Warmlaufen! Kreisspiel! Auslaufen!« Auf der Taktiktafel zeichnen Wollmäuse still ihre Laufwege nach, während der Althauer in der Mannschaftsbesprechung vor dem Spiel nur knapp »so wie immer« sagt und Libero, Vorstopper und Außenläufer meint. Gegenpressing ist für Hebammen und Abkippen ist für ihn nur ab 23 Uhr erlaubt. Hat immer einen absoluten Liebling, von dem niemand weiß, warum ausgerechnet er der absolute Liebling des Althauers ist. Nur eines ist sicher: Es ist nie die Fummelkutte mit den bunten Schuhen.