Die Überraschungstabellenführer der Bundesliga

Als Bochum fast schon Meister war

FSV Mainz 05, 2010/11, 4.-7. und 9. Spieltag
Die erste komplette Spielzeit unter Thomas Tuchel begann mit der Einstellung eines Bundesligarekords: Mainz gewann die ersten sieben Spielen (die Serie wurde allerdings schon zwei Jahre später vom FC Bayern übertroffen). Besonders denkwürdig ist die Partie gegen den VfL Wolfsburg, bei der Mainz bereits 0:3 zurücklag und die Partie noch in ein 4:3 drehen konnte. Zum FC Bayern reiste man am 6. Spieltag als Tabellenführer und gewann 2:1. Die »Süddeutsche Zeitung« fragte danach Christian Heidel, ob er sich an 1998 erinnere. Der Mainzer Manager antwortete: »Als Kaiserslautern Meister wurde? Ach du liebe Güte! Damit befassen wir uns nicht. Wobei: Einen Balkon hätten wir.« Am Ende wurde Mainz Fünfter.
 
VfL Bochum, 2002/03, 2.-4. Spieltag
Am 28. Spieltag stand der VfL Bochum vor dem Abgrund: Platz 15 nach acht Spielen in Folge ohne Sieg. Wer die Mannschaft damals über den Platz ächzen sah, konnte sich kaum vorstellen, dass sie kurz nach Saisonstart zumindest als Europapokal-Aspirant galt. Die Bochumer gewannen gegen Nürnberg, Cottbus und Leverkusen – und zwar nicht irgendwie, Energie schossen sie mit 5:0 aus dem Stadion, in Leverkusen gewann Bochum mit 4:2. Am dritten Spieltag rangierte die Mannschaft mit neun Punkten und 12:3 Toren (sechs von Thomas Christiansen) auf Platz 1 der Bundesligatabelle. Die »FAZ« schrieb von einem »Bochumer Sommermärchen«, und ein Radiosender wollte von seinen Hörern wissen, ob der VfL in dieser Saison wieder nur einen Europapokalplatz holen würde oder ob es diesmal für die Meisterschaft reichen könnte. »Wenn ich höre, dass über die Höhe des Sieges gegen Dortmund spekuliert wird, kann ich nur dazu raten, den Ball flach zu halten«, versuchte Trainer Peter Neururer vor dem 4. Spieltag zu beschwichtigen. Beim BVB langte es immerhin noch zu einem 0:0 – danach lief es nicht mehr sonderlich. Immerhin konnte die Mannschaft den Abwärtstrend am 29. Spieltag mit einem Sieg gegen den VfB Stuttgart stoppen. Am Ende wurde sie Neunter.
 
Arminia Bielefeld, 2002/03, 1. Spieltag
Die Ostwestfalen standen bereits dreimal in ihrer Bundesligageschichte auf Platz 1. Zuletzt in der Saison 2001/02, als die Mannschaft nach einem 3:0-Heimsieg als Tabellenführer zum FC Bayern reiste. Die Anhänger hatten für dieses Spiel extra Banner besprüht, die sie über den kompletten Gästeblock hängten. Auf einem stand: »Der Spitzenreiter gibt sich die Ehre.« Nach überschwänglichen Presseberichten versuchten die Verantwortlichen, die Lage ein wenig zu beruhigen. Arminia-Geschäftsführer wagte nach dem ersten Spiel die Prognose, dass man irgendwann auch mal verlieren werde.  Irgendwann hieß konkret: sieben Tage später. Denn am 2. Spieltag ging Bielefeld beim FC Bayern mit 2:6 baden. Am Ende der Saison stieg das Team als Sechzehnter in die Zweite Liga ab.