Die Tragödie um Chapecoense

Kämpfen um zu leben

Nach dem tödlichen Flugzeugabsturz von AF Chapecoense herrscht in Brailien Trauer und Verzweiflung. Drei Spieler kämpfen um ihr Leben, über die Unglücksursache wird spekuliert.

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Zwei Tage nach dem Flugzeugabsturz der brasilianischen Mannschaft AF Chapecoense überschlagen sich die Geschehnisse und die Nachrichtenlage. Viele Halbwahrheiten werden über alle möglichen Kanäle kommuniziert, einige Irrtümer kommen auf. Und bis alle Unklarheiten aus der Welt geschaffen sind, werden noch Wochen, vielleicht Monate vergehen. 

Jackson Follmann, 24, bekommt von all dem nichts mit. Der Ersatztorhüter und Insasse des Flugzeugs Avro RJ liegt in einem kolumbianischen Krankenhaus und kämpft um sein Leben. Die Ärzte mussten sein rechtes Bein amputieren. Sein linkes wird wohl folgen. 

Doch Follmann hat Glück. Er ist einer von drei Überlebenden seiner Mannschaft, die auf dem Weg zum Finale der Copa Sudamericana, Südamerikas zweiter Kontinentalwettbewerb nach der Copa Libertadores, nach Medellin war. 

Sechs überleben - 71 sterben

Neben Follmann überlebten Neto und Alan Ruschel. Neto erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und mehrere offene Brüche. Ruschel wurde an der Wirbelsäule operiert. Beide werden in den nächsten Tagen von den Ärzten genau beobachtet, bevor Entwarnung gegeben wird. 

Auch der Journalist Rafael Henze, der mit mehreren Rippenbrüchen und einer durchbohrten Lunge im Krankenhaus liegt, sowie zwei Besatzungsmitglieder (eine Stewardess und ein Techniker), die vergleichsweise glimpflich davon gekommen sind, überlebten. 71 Menschen, darunter 19 Spieler, 21 Journalisten und sämtliche mitgereisten Betreuer des brasilianischen Klubs AF Chapecoense, starben. 

Warten auf die Blackbox

Dabei wollte der Klub ursprünglich per Charterflug direkt von Brasilien nach Medellin fliegen. Die brasilianische Flugbehörde setzte ihn stattdessen in den Linienflug nach Santa Cruz de la Sierra in Bolivien, weil die Kapazität für diesen Flug noch nicht ausgelastet war. Erst in Bolivien stieg Chapecoense in die Chartermaschine ein, die knapp 50 Kilometer vor ihrem Ziel in der hügeligen Landschaft am Berg El Gordo zerschellte. 

Über den Grund des Absturz wird wild spekuiert. Die Maschine soll angeblich zu wenig Treibstoff an Bord gehabt haben. Es wurde berichtet, dass der Flieger für die Strecke nicht ausgelegt war. Die Piloten sollen Probleme mit der Elektronik gemeldet haben, kurz bevor sie vom Radar verschwanden. Das Wetter sei schon beim Start schlecht gewesen. Wirklich Aufschluss wird erst die Auswertung der beiden Blackboxes geben, die geborgen wurden. Wie lange das dauern wird, ist unklar.

Die Stadt Chapeco befindet sich im Schockzustand. Für die nächsten 30 Tage wurden alle Feierlichkeiten abgesagt. Die Schulen blieben zwei Tage lang geschlossen. Brasiliens Präsident Michel Temer ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Am Donnerstag sollen die Opfer in ihre Heimat gebracht werden. In der Arena Conda wird dann eine zentrale Trauerfeier stattfinden.