Die Toten Hosen und Tony Baffoe

Fortuna-Mark für ein Bein

24. April 1989: Anthony Baffoe steht vor einem Wechsel von Köln nach Düsseldorf. Um das nötige Kleingeld zu beschaffen, sammeln die Toten Hosen bei ihren Konzerten die »Fortuna-Mark« – und kaufen Baffoes rechtes Bein. Die Toten Hosen und Tony BaffoeImago Mit einem Bein steht Anthony Baffoe schon im Frühjahr 1989 auf der anderen Rheinseite. Bei einem Spiel zwischen Fortuna Köln und Fortuna Düsseldorf im April fragt Aleksandar Ristic Kölns Stürmer Baffoe, wo er in der kommenden Saison spielen werde. Auf Baffoes Zögern hin schlägt ihm der Trainer vor, nach Düsseldorf zu wechseln. Baffoe kann sich das gut vorstellen. Düsseldorf auch. Allerdings fehlt dem Verein das nötige Kleingeld für den Spieler, den Ristic nur noch den »Zauberer« nennt.

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Hilfe kommt kurz nach Ende der Saison von den Toten Hosen. In Baffoe sahen sie einen »Freund des Hauses«. Motiviert durch die Aussicht, den Deutsch-Ghanaer bei ihrem Verein spielen zu sehen, startet die Punkband die eigenwillige PR-Aktion. Für ihren Lieblingsverein hatten die Toten Hosen bei ihren Konzerten regelmäßig die »Fortuna-Mark« gesammelt. Mit dem Geld unterstützen die Musiker die Aktion »Ein Bein für Toni Baffoe« – und kaufen im Juli 1989 symbolisch für rund 150.000 Mark das rechte Bein von Anthony Baffoe. Sänger Campino der Punkband wird in Interviews zur Aktion mit den Worten zitiert: »Ich gehe nach wie vor zu jedem Kabinenfest, wenn der Zeugwart 'ne Runde schmeißt.«

Mit Campino in der Kabine

In Düsseldorf angekommen, macht Baffoe schnell nicht nur durch seine fußballerischen Fähigkeiten auf sich aufmerksam, sondern auch durch seine offensive Art gegenüber Rassismus im Fußball. Mit dem neuen Trainer Pepi Hickersberger legt er sich an, als dieser seine Rastafrisur mit den Worten »Wir sind hier nicht im Zirkus« kommentiert hatte. Baffoes Antwort: »Schauen Sie sich doch mal selbst an! Ihr Anzug ist so hässlich!« Pöbelnden Gegenspielern erwidert er: »Du kannst auf meiner Plantage arbeiten.«

Nach Ibrahim Sunday von Werder Bremen spielte Baffoe als zweiter Afrikaner in der Bundesliga. Seine Eltern waren Anfang der sechziger Jahre nach Deutschland gezogen. Baffoe wurde in Bonn geboren und sah sich als deutschen Fußballer mit afrikanischen Wurzeln. Der Wechsel mit Hilfe der Toten Hosen hatte ihm viel Aufmerksamkeit gebracht. Neue Scheiben der Band hielt Baffoe als einer der ersten in der Hand. Als unregelmäßige Gäste in der Fortuna-Kabine traf Anthony Baffoe seine Gönner hin und wieder nach den Spielen. Obwohl die Düsseldorfer Fans ihn feierten, kehrte er 1992 Deutschland den Rücken.

Zum Modeln nach London

Nach seiner letzten Saison bei Fortuna Düsseldorf wechselte Anthony Baffoe nach Frankreich. Nach fünf Jahren in Nizza und Metz tingelte er noch einmal um die Welt und lässt seine Karriere in Hongkong und Venezuela ausklingen. Anschließend verdient er sein Geld als Model auf Londons Laufstegen.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland tritt Baffoe im Fernsehen auf. Für das DSF arbeitet er beim Fußballmagazin »Fujuma«, bevor er beim WDR die Sendung »Sport im Westen« moderiert. Zur 100. Sendung von »Fujuma« lädt sich Baffoe im Mai 2004 einen besonderen Gast ein: Campino von den Toten Hosen. Beim traditionellen Lattenschießen verliert der Fußballer knapp gegen den Sänger der Band, die 15 Jahre zuvor sein rechtes Bein gekauft hat.