Am 8. Oktober 2017 auch bei deinem Verein
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HanseMerkur

Die taktischen Kniffe am Tag der Amateure

Polyvalente Strukturen

Wohin entwickelt sich der Amateurfußball? Die Wahrheit lag wie immer auf dem Platz. Deshalb erklären wir die drei wichtigsten taktischen Erkenntnisse vom Tag der Amateure.

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Liberohne
Kreisliga B - das stand bei uns für Positionen, die im Profifußball längst neben dem Säbelzahntiger zu finden sind: Abteilung Ausgestorbene Arten. Zu nennen sind Libero, Ausputzer, Manndecker (auch als »Vorstopper« bekannt) und - natürlich - der Betreuer. Aber der Amateurfußball hat sich entwickelt. Libero, Ausputzer und Manndecker sind zum Einheitsbrei der Viererkette verkommen. Die ist jedoch nicht statisch, sondern kann sich je nach Situation zu einer pendelnden Dreierkette, einer missratenen Fünferkette oder einer Taktik, die sich gut und gerne als »zehn Mann hinten drin« bezeichnen lässt, entwickeln. Besonders beliebt bei Trainern der Unterklasse ist weiterhin der Einsatz mindestens eines inversen Außenverteidigers. Oft dem nicht zu verschweigenden Umstand geschuldet, dass mal wieder kein Linksfuß unter den Anwesenden zu finden war.

Stichwort: Polyvalenz
Unter Lucien Favre war in Berlin alles polyvalent: der defensive Außenstürmer, die Jugendarbeit und die Abstiegsängste natürlich auch. Vielleicht ist der Schweizer ein taktisches Genie, möglicherweise hat er aber auch nur ein Praktikum im Amateurfußball gemacht. Denn gestern stellte sich mal wieder heraus, dass zwischen Landes- und Kreisklasse polyvalentes Personal dringender benötigt wird als bei jeder Zeitarbeitsfirma. Ob nun der Bankwärmer, der zugleich die Rollen des Linienrichters, Eckfahneneinpackers und Kettenrauchers selbstbewusst ausfüllen musste. Oder der Sport-Obmann, der vorne am Eingang noch den Eintritt kassierte und Minuten darauf im eigenen Sechszehner den Eintritt verwehrte. Oder der Sohn des Co-Trainers, der nicht nur als Kreisoberligaeinlaufkind und Balljunge auftrat, sondern nach dem Sieg auch als Maskottchen angepriesen wurde. Für Lucien Favre, liebe Fußballfreunde, wäre der Amateurfußball das Paradies.

Das schmeckt uns!
Der Profifußball darbt: kein Gluten, keine Glukose, im asketischsten Fall auch kein Wasser mehr. Nicht im Amateurfußball, wo die richtige Ernährung noch über dem richtigen Training steht. Die Spieler reizen alle Möglichkeiten aus, um einer drohenden Unterhopfung zu entgehen. In Rostock werden Schnitzelbrötchen aus einer Küche gereicht, die spontan den 11FREUNDE-Michelinstern überreicht bekam. In Eschersheim grillte der Grill bis zur allerletzten Minute. Und die Kohlenhydrate in der Bolognese der SpVgg 05 Oberrad würden Thomas Tuchel alleine auscoachen - so viel ist sicher.