Die Spitze des Kommerz-Eisbergs

TV-Krieg um Norwegens Liga

Zwei norwegische Fernsehsender bekämpfen sich bis aufs Blut. Dabei geht's um Fußball – viel mehr aber um Geld und Macht. Die Spieler geraten zwischen die Fronten.

imago

Das brisante Schreiben kam im schlichten Gewand einer Rund-Mail an alle Erstligisten. Absender: Norwegens Ligaverband NTF. Betreff: Boykott des privaten norwegischen TV-Senders TV 2. 

Konkret geht es um die Sendung »FotballXtra« – eine norwegische Version des legendären Sat1-Formats »Ranissimo«. Allerdings zeigt »FotballXtra« zwischen Livetalks und Magazin-Beiträgen alle frisch gefallenen Tore in Sekunden-Clips - noch während der laufenden Spiele.

Spieler und Trainer berichten von massiven Drohungen

Dabei hält TV 2 gar keine Rechte an der norwegischen Liga. Der Sender beruft sich einfach auf geltendes norwegisches Recht, das eine freie Kurzberichterstattung erlaubt. Die Liga und Rechte-Inhaber Discovery Channel aber schäumen vor Wut.

Hinter den Kulissen der Klubs wurde die Boykott-»Empfehlung« des Ligaverbandes scheinbar noch deutlicher ausgesprochen. Spieler und Trainer berichten von massiven Drohungen.

Wer seinen Job behalten will, hält sich lieber an die Empfehlung des Verbands

»Es wurde von Vereinsseite sehr klargemacht, dass es große Nachteile für mich mitbrächte, würde ich in irgendeiner Weise bei TV 2 in Erscheinung treten«, verrät ein Profi anonym. Ein Co-Trainer fügte hinter vorgehaltener Hand hinzu: »Wer seinen Job behalten will, hält sich lieber an die Empfehlung.«

In der Rund-Mail hatte Ligaverbands-Direktor Leif Överland den Klubs mitgeteilt: »Bekanntlich haben wir TV 2 abgemahnt, weil sie die Medienrechte der Liga gefährden. Einige Ihrer Spieler und Funktionsträger wurden eingeladen, bei TV 2 aufzutreten. Wir fordern alle dazu auf, NICHT dort aufzutreten. Der Grund ist, dass TV 2 unsere ökonomische Grundlage gefährdet. Wir müssen nun beträchtliche Ressourcen aufwenden, um das zu stoppen und haben eine Abmahnung geschickt. So lange diese Angelegenheit nicht entschieden ist, lautet unsere Empfehlung, nicht an ihrem Programm teilzunehmen.«

Die brisante E-Mail beschreibt derweil nur die Spitze des Eisbergs. Natürlich geht es bei dem Streit vor allem um Geld – um sehr viel Geld. Die amerikanische Discovery-Channel-Mediengruppe (u.a. Eurosport) hat für umfassende Live-Rechte von 2016 bis 2022 immerhin 2,4 Milliarden Norwegische Kronen hingeblättert. Das sind rund 260 Millionen Euro. Doch absolute Exklusivität haben sich die US-Strategen damit scheinbar nicht gesichert.