Die spanische Mannschaft im Steckbrief

They need a Hierro!

Bis vorgestern galt Spanien für viele als der Titelfavorit überhaupt. Dann feuerte der beleidigte Verbandspräsident den Trainer.

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Zahlen zum Team

FIFA-Rang: 8
WM-Teilnahmen:15

Einwohner: 46 438 000

Noch eine Zahl zum Team

800 000 Euro winken den Spaniern beim WM-Sieg, pro Nase versteht sich. In Brasilien hätte es nur 720 000 Euro gegeben, aber da flog das Team in der Vorrunde raus.

Spitzname

La Furia Roja

Der Trainer

Nun ja. Bis vorgestern galt Julen Lopetegui als Idealbesetzung für den Nationaltrainer-Posten. Mit der U19 und der U21 wurde er Europameister, mit dem aktuellen Team war er ungeschlagen, im März fiedelte die Spanier Argentinien mit 6:1 aus dem Stadion. Und dann kam der 13. Juni. Einen Tag vor Beginn der Weltmeisterschaft wurde Lopetegui vom gekränkten Verbandschef Luis Rubiales entlassen. Weil kurz zuvor durchgesickert war, dass Lopetegui nach der WM Real Madrid übernehmen würde. Obwohl Führungsspieler wie Iniesta oder Ramos noch versuchten, die Katastrophe zu verhindern, stand Spanien plötzlich ohne Trainer da. Bis Ex-Nationalmannschafts-Kapitän Fernando Hierro als neuer Chef an Bord geholt wurde. Der nun die undankbare Aufgabe hat, ein Team, das nicht seines ist, zum WM-Titel zu führen. Andererseits wurde Deutschland 2002 ja auch fast Weltmeister. Mit Michael Skibbe.

Der Kapitän

Selten wurde ein Weltklassespieler von weiten Teilen der Weltöffentlichkeit dermaßen verachtet wie in diesen Wochen Sergio Ramos. Das hat in erster Linie damit zu tun, dass seine Ringeinlage im Champions-League-Finale gegen Everybody’s-Darling Mo Salah auf direktem Weg zum Kapitalverbrechen hochgejazzt wurde, Salah das Spiel aufgeben musste und in der Folge beinahe die WM verpasst hätte. Doch wer Ramos (zumindest aus dem Fernsehen) kennt, der ahnt: Das ist ihm alles vollkommen schnuppe. Außerdem ist er wohl noch immer der Kapitän, den die 31 anderen Kapitäne lieber im eigenen Team hätten, als gegen ihn spielen zu müssen. Ein größeres Kompliment gibt es kaum.

Der Star

Das spanische Team ist gespickt mit großen Namen. Doch trotz Piqué, David Silva, Thiago, Isco oder David de Gea gibt es noch immer den einen, der ob seiner schieren Qualität über allen anderen schwebt: Andres Iniesta. Bei seinem letzten großen Turnier werden die Augen der Fans, der Gegner und der Mitspieler auf ihn gerichtet sein, er muss zeigen, dass er noch immer liefern kann. Die Messlatte hat er selbst so hoch wie nur möglich gelegt: 2010 schoss der den Siegtreffer im WM-Finale.

Stammtischwissen

Mit 0,082 Treffern pro Spiel sind Spaniens Verteidiger gefährlicher als die Kollegen aus Brasilien (0,071) und Deutschland (0,063).

Die Anekdote

Marcos Alonso ist nicht mit Xabi und Fernando Alonso verwandt. Sehr wohl aber mit Marcos Alonso Pena, das ist nämlich sein Vater, und mit Marquitos, dem Vater seines Vaters. Als Trainer Lopetegui Alonso im März erstmals in die Seleccion berief, war das Kuriosum perfekt: eine Familie mit Nationalspielern aus drei Generationen. Papa Pena hatte einst für Atletico und Barça die Stiefel geschnürt, Opa Marquitos für Real Madrid. Dumm nur, dass Marcos Alonso die WM verpasst. Er wurde nicht nominiert.