Die Rivalität zwischen Argentinien und Brasilien

Ein zweites Trauma

Argentinien im Endspiel von Rio: Für den Gastgeber ist das so schlimm wie das 1:7 im Halbfinale. Diese Feindschaft hat Tradition, und deshalb sind nun alle Brasilianer Deutsche.

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»Nichts ist so schlecht, als dass es noch schlechter geht«, titelte der »Expresso«, er liegt morgens für wenig Geld an vielen Kiosken aus und brachte auf den Punkt, was den meisten Brasilianern durch den Kopf ging nach diesem langweiligen und doch dramatischen Halbfinale von Sao Paulo: Muss das wirklich sein? Reicht nicht diese demütigende Niederlage gegen Deutschland? Muss denn als zweite Mannschaft ausgerechnet Argentinien ins Endspiel kommen? »Das hat gerade noch gefehlt«, hieß es unter den Balken im »Expresso«.

Argentinier und Brasilianer sind einigermaßen gute Nachbarn, geht ja auch nicht anders bei einer gut tausend Kilometer langen gemeinsamen Grenze, aber Freunde werden sie nie werden. Vor bald 100 Jahren haben sie mal Krieg gegeneinander geführt. Es ging dabei um Uruguay, das beide Staaten sich gern einverleibt hätten und am Ende des Krieges doch unabhängig wurde. Ohne den argentinisch- uruguayischen Krieg hätte es kein Maracanaço gegeben, Brasiliens epochale Niederlage im finalen Spiel der ersten WM in Brasilien, 1950 im Estadio Maracana von Rio de Janeiro.
Daran sind die Argentinier also auch schuld.

Hat alles nichts geholfen

Jetzt sind sie wieder nach Brasilien eingefallen, seit ein paar Wochen schon, und sie lassen sich einfach nicht vertreiben. In Rio besetzen sie die Copacabana, Belo Horizonte musste zwischenzeitlich die Staatszugehörigkeit wechseln, und in der Nacht zu Donnerstag zogen himmelblauweiße Kommandos durch Sao Paulo, singend und lachend und symbolisch brandschatzend. Sie feierten ihren Einzug ins Finale. Dieses 4:2 im Elfmeterschießen über die Holländer, deren Trikots die Brasilianer in Massen gekauft hatten, um als ganz und gar nicht neutrale Dritte irgendwie noch zu verhindern, dass diese WM für sie in einer totalen Katastrophe enden würde.
Hat alles nichts geholfen.

Brasilien mühte sich redlich, aber Argentinien war lauter. Und einfallsreicher. Mit dem simplen, aber immerhin auf Portugiesisch vorgetragenen Abzählen von eins bis sieben, kleine Anspielung auf ein noch gar nicht so lange zurückliegendes Fußballspiel, irgendwas war da mal mit sieben Toren. Höchst anspruchsvoll gestalteten sie zudem den gesanglichen Part.

Argentinien war lauter

Mit einer Hymne, die ursprünglich mal von den Hinchas aus San Lorenzo komponiert wurde, gern auch bei den Boca Juniors gegen die ewigen Feinde von River Plate zum Vortrag kommt und jetzt schon seit ein paar Wochen mit verändertem Text in Brasilien zum allgemeinen Kulturgut zählt. Die letzte Strophe dieses wirklich schön anzuhörenden Liedchens lautet: »A Messi lo vas a ver, la copa nos va a traer, Maradona es mas grande que Pelé.«