Die Regionalliga-Relegation – eine Ungerechtigkeit

»Sag ihr, sie ist wenigstens hübsch!«

So sickerte bereits in der Winterpause durch, dass in der Regionalliga Bayern eigentlich kaum ein Verein in die dritte Liga aufsteigen möchte. Genau genommen waren es vier: Die Zweitvertretungen von 1860 und Bayern München, sowie vom 1. FC Nürnberg und Greuther Fürth wollten in die bundesweite dritte Liga mit ihren langen Anfahrtswegen und einem Spielbetrieb auf Profi-Niveau. Die gut platzierten Dorfvereine FV Illertissen, TSV Buchbach oder SV Seligenporten wollten maximal in den DFB-Pokal. »Es hätte einfach nur vier Ligen und vier direkte Aufsteiger geben sollen«, findet deshalb auch Maik Walpurgis, Trainer der Sportfreunde Lotte. 

Zorniger hatte in den vergangenen Wochen keine Gelegenheit ausgelassen, über den Unsinn der Relegation zu zetern, nicht erst seit er mit den Sportfreunden aus Lotte das schwerste Los erwischte. »Sagt ihr, sie ist wenigstens hübsch«, schickte Zorniger unmittelbar nach der Auslosung ein paar Grüße an die Losfee Liza Grundig, amtierende Miss Ostdeutschland, die sich der Undankbarkeit ihrer Aufgabe wohl erst im Nachhinein klar wurde.

Das Los der Fee

Denn Grundig zog die drei Paarungen der fünf Regionalliga-Meister und des Zweiten aus der Südwest-Staffel. Wäre es ein Pokal, hätte sie auch alles richtig gemacht, mit den attraktiven Begegnungen zwischen Lotte und Leipzig sowie Kiel und Kassel. Doch da es um Aufstiege und Existenzen von Fußball-Vereinen geht, hätten die Favoriten wohl lieber den SV Elversberg (Zweiter im Südwesten) oder 1860 München II bekommen, so der allgemeine Tenor vor der Auslosung.  Die beiden vermeintlich schwächsten Teilnehmer der Relegation wurden aber gegeneinander gelost und dürfen einen eigenen Aufsteiger in die dritte Liga schicken.

Nord-Meister Kiel setzte sich am Ende sogar gegen mehrfachen Widerstand durch, der sinnbildlich für das Durcheinander in Liga vier ist. Ein paar Tage vor Saisonende war die Mannschaft von Trainer Torsten Gutzeit nach langer Tabellenführung plötzlich nur noch Zweiter, weil der FC Oberneuland relativ unsportlich insolvent ging und Kiel dadurch sechs Punkte, Verfolger TSV Havelse aber nur einen Punkt verlor. Zum Glück für Kiel hatten sie noch das direkte Duell gegen Havelse, und dort setzte sich Kiel, genauso wie gegen Südwest-Meister Kassel durch.

In Hessen nahm man das Ausscheiden mit gemischten Gefühlen hin: Zwar äußerte sich Trainer Uwe Wolf auch mehrfach verwundert, dass man als Meister nicht direkt aufstieg und eventuell dafür der Zweitplatzierte SV Elversberg den Weg in die dritte Liga findet. Aber Kassel hat mehr als eine halbe Million Euro Verbindlichkeiten, muss sparen und da ist ein Aufstieg in die dritte Liga auch eine Gefahr. Denn die ist für fast alle Vereine nur eine Zwischenstation. So haben sich nicht wenige Drittligisten in den vergangenen Jahren übernommen und leben am Rande der Existenzbedrohung, egal ob in Bayern (SpVgg Unterhaching), im Osten (SV Babelsberg, Rot-Weiß Erfurt), im Südwesten (Kickers Offenbach, TuS Koblenz), im Westen (Rot Weiss Ahlen, Alemannia Aachen) oder im Norden (VfL Osnabrück, Kickers Emden).

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