Die rasante Ankunft des Xabi Alonso

Der Problemlöser

Einige Spieler benötigen Jahre, um sich bei einem neuen Verein zu akklimatisieren. Xabi Alonso hat gerade mal ein paar Tage gebraucht. Schon jetzt ist der Baske die ordnende Instanz im Bayern-Spiel. Über die rasante Ankunft eines Problemlösers.

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Als Schiedsrichter Undiano Mallenco die Partie abpfiff, umarmte Xabi Alonso zuerst seine Mitspieler und atmete dann erst einmal tief durch. Es war ein hartes Stück Arbeit beim Champions League-Debüt im Bayern-Dress gewesen – auch wenn der Neuzugang verglichen mit dem Stuttgart-Spiel ein paar Meter weniger gelaufen und von seinen neuen Mitspielern etwas seltener angespielt worden war. Vielleicht hatten sie sich der Worte ihres Trainers erinnert. Pep Guardiola war nach Alonsos erstem Bundesliga-Heimspiel nämlich etwas in Sorge gewesen und hatte die Mannschaft aufgefordert, seinen Landsmann besser zu unterstützen. Sonst, so Guardiolas eindringlicher Appell, sei jener Mann, der vor bald 33 Jahren in Tolosa im Baskenland das Licht der Welt erblickte, »in einem Monat tot«.
 
Xabi Alonso lebt. Und wie. Ihm waren die knapp zwölf Kilometer, die er beim Stuttgart-Spiel zurückgelegt hatte, gegen Manchester City nicht anzumerken. Und auch die 150 Ballkontakte gegen den VfB hat der zähe Baske ganz offensichtlich ohne Fußentzündung überstanden. Denn Alonso forderte wieder ständig die Kugel, war gegen den englischen Meister erneut der Taktgeber.

Wenn ein Philipp Lahm, den Guardiola Alonso an diesem Champions-League-Abend im defensiven Mittelfeld zur Seite gestellt hatte, eine schwächere Zweikampfquote (42,9 gegenüber 57,1 Prozent von Alonso) aufweist und weniger Pässe gespielt hat (63 gegenüber 76), ist das schon bemerkenswert.

Weniger Tiki-Taka, mehr Alonso

Keine Frage, schon wenige Wochen nach seiner Ankunft in München prägt Xabi Alonso einen neuen Stil des FC Bayern München: weniger Tiki-Taka, mehr Spielverlagerung mit langen Pässen, auch wenn der neue Ballverteiler  dieses Mittel gegen ManCity seltener als gegen den VfB eingesetzt hat. Alonso ist die ordnende Instanz im Bayern-Spiel, gibt Tempo und Richtung vor. »Ich versuche das zu machen, was ich meine ganze Karriere lang gemacht habe«, sagt Xabi Alonso in aller Bescheidenheit zu seiner Rolle beim neuen Arbeitgeber. Nämlich das Bindeglied zwischen Abwehr und Mittelfeld, »der Mittelpunkt des Ganzen« zu sein.
 
Und das ist ihm gegen den englischen Meister wieder sehr gut gelungen. Alonso gab auch diesmal dem Spiel seiner Mannschaft Struktur und Sicherheit, was angesichts der Verletzungsprobleme beim Rekordmeister und der kurzen Vorbereitungszeit vieler WM-Spieler überaus wichtig ist. Der Neue, der nicht ansatzweise wie ein solcher wirkt, bietet sich den Teamkollegen als Anspielstation an, wenn diese unter Druck geraten, zeigt an, wo der Ball hingespielt werden soll, hat für jede Situation, sei sie auch noch so knifflig, eine spielerische Anwort, macht sich als Helfer in allen Lagen nützlich.