Die One-Hit-Wonder der EM-Geschichte

2004: Lag es am Haarband?

EM 2004: Milan Baros (Tschechien)
Ähnlich lange Haare, ähnlich bescheuertes Haarband: Irgendwie war klar, dass Milan Baros keine großen Probleme haben würde, in die Nuno-Gomes-Rolle zu schlüpfen. Und so zog er 2004 zur Europameisterschaft nach Portugal aus, das neue große Ding am Stürmerhimmel zu werden.

Jeweils einen Treffer erzielte er in jedem Vorrundenspiel, unter anderem durfte Deutschland dank Milan Baros das Turnier frühzeitig beenden. Dann – wir erinnern uns wieder an Gomes – Doppelpack im Viertelfinale, das Opfer diesmal Dänemark. Mit fünf Treffern wurde Baros bester Torschütze des Turniers, nur an dem von Rehagel angerührtem griechischen Beton prallte Baros ab. Und war Baros, damals schon bei Liverpool unter Vertrag, vorher noch ein Talent gewesen, im Sommer 2004 war er plötzlich ein Star.



Zunächst ging es auch in der Premier League vielversprechend weiter. 2005 immerhin neun Tore, im Jahr danach noch mal acht. Doch je länger man in Liverpool auf die Explosion wartete, desto schleppender verlief die Karriere. Immer wieder auch durch Verletzungen ausgebremst, gab man Baros 2005 schließlich auf. Nach zwei verlorenen Jahren in Lyon (2007-08) fand er spät in der Türkei bei Galatasaray doch noch sein Glück. Zwischen 2008 und 2013 gelangen ihm 48 Tore in 93 Spielen. Dennoch: zu spät für die ganz große Karriere, an das Niveau der 22-jährigen EM-Version seiner selbst kam er nie wieder heran. 

EM 2004: Angelos Charisteas (Griechenland)
Über Angelos Charisteas kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. In Bremen ein allenfalls solider Bundesliga-Stürmer, spielte er mit Griechenland 2004 auf einmal das Turnier seines Lebens. Entscheidendes Tor im Viertelfinale gegen die Franzosen um Zidane, entscheidendes Tor im Finale gegen Gastgeber Portugal um den jungen Ronaldo. Mehr geht nicht. Dementsprechend wurde es danach auch weniger, besser gesagt sehr viel weniger.

Wobei: für seinen damaligen Arbeitgeber Werder Bremen wurde es zunächst mal mehr. Fünf Millionen kassierten die Bremer für den Griechen von Ajax Amsterdam, angeblich reiben sich manche Werder-Fans deshalb bis heute die Augen. Nach Ajax spielte er quasi überall (Feyenoord, Nürnberg, Leverkusen, Arles-Avignon, Schalke, Panetolikos Agrinio, Al-Nasr Riad), nicht einmal in seiner Karriere schoss er mehr als neun Tore in einer Saison. Allerdings: Hätte jemand Angelos Charisteas im Mai 2004 angeboten, dass er Griechenland zum Titel schießen und danach nichts mehr reißen würde, er hätte es vermutlich angenommen. Wie wir alle.