Die Nicht-Suspendierung von Ägyptens Amr Warda

Warda was?

Der ägyptische Fußballverband suspendierte Amr Warda, weil er Frauen sexuell belästigt haben soll. Nun ist er zurück im Kader. Auch weil Mo Salah sich für ihn einsetzte.

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»Die Nationalmannschaft der sexuellen Belästiger.« So lautet der Hashtag, der seit vergangenem Freitag in Ägypten trendet und zwischenzeitlich der meist benutzte Hashtag in Ägypten war. Grund dafür sind Amr Warda, der ägyptische Fußballverband EFA und Mohamed Salah. 

Der ägyptische Fußballverband hatte kurz vor dem zweiten Spiel des Africa-Cups den Spieler Amr Warda suspendiert. Chatverläufe zwischen ihm und verschiedenen Frauen wurden veröffentlicht, die zeigen sollen, dass Warda die Frauen sexuell belästigt hat. Ein Nacktvideo von ihm tauchte ebenso auf. Der Verband sehe sich gezwungen, ihn aus dem Kader zu werfen, auch um die Konzentration der Spieler nicht zu stören, so Teammanager Ihab Leheita. 

Was der Verband offenbar nicht ahnte: Die Suspendierung passte den »Pharaonen« so gar nicht. Das auf den Rausschmiss folgende Spiel nutzten die Spieler, um sich hinter Warda zu stellen. Ein Spieler auf der Reservebank hielt das Trikot Wardas hoch, Torschütze und Kapitän Ahmed Elmohamady formte beim Torjubel mit jeder Hand eine zwei – die 22 ist Wardas Rückennummer. Er war es auch, der nach dem Spiel sagte: »Das ist sein Privatleben. Solange er sich gegenüber dem Team diszipliniert zeigt, machen wir ihn nicht für das verantwortlich, was er außerhalb der Mannschaft tut.«

Als dann auch noch Mohamed Salah öffentlich forderte, dass es zwar wichtig sei, Frauen mit Respekt zu behandeln, man im Leben aber immer eine zweite Chance verdient habe, beendete der Verband die Suspendierung und gab Warda die Erlaubnis nach der Gruppenphase wieder am Turnier teilzunehmen. 

Zweite zweite Chance?

Die Forderung Salahs nach einer zweiten Chance wurde erhört. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass Amr Warda wegen sexueller Belästigung auffällig wurde. 2017 wurde sein Leihvertrag mit CD Feirense nach gerade einmal drei (!) Tagen aufgelöst, weil er die Ehefrauen zweier seiner Mitspieler sexuell belästigt haben soll. 


Jetzt tritt Warda erneut im gleichen Kontext in Erscheinung. Kurz vor seiner Begnadigung hatte der Spieler ein Video gepostet, in dem er sich bei den Opfern und seiner Familie entschuldigt. Dass die Rehabilitation Wardas so schnell vonstatten ging, liegt vielleicht auch an der besonderen Rolle Mohamed Salahs. 

Welchen Einfluss der Stürmer in Ägypten hat, zeigt die Tatsache, dass er bei der letzten Präsidentschaftswahl eine Millionen Stimmen bekam – dabei stand er gar nicht zur Wahl. Hätte er teilgenommen, wäre er Zweiter geworden. Als Aushängeschild Ägyptens hatte er sich in einem Interview vor einigen Monaten noch für eine bessere Stellung von Frauen ausgesprochen: »Ich bin der Ansicht, dass Frauen mehr verdient haben, als wir ihnen heutzutage geben.« Daraufhin wurde er weltweit als Repräsentant des Islams gefeiert, die Liverpool-Fans dichteten einen Fangesang, in dem sie frei übersetzt riefen: »Wenn Salah noch mehr Tore schießt, konvertiere ich zum Islam.« Jetzt trendet der Hashtag: »Salah unterstützt sexuelle Belästigung.«