Die neue alte HSV-Hoffnung

Der Gedanke ans Aufgeben

Maximilian Beister ist einer, der viel mit dem Körper spricht. Manchmal hängen die Schultern so tief, dass man ihn durchschütteln möchte. Manchmal sieht es aus, als sei jeder Pass, jeder Schuss ein großer Schmerz. Vor ein paar Monaten hat er einmal gesagt: »Ich habe früher Angst bekommen, sobald ich mal einen Fehler gemacht habe.« Allein man wurde den Eindruck auch in der vergangenen Saison nicht immer los.
 
Und weil er oft unglücklich schien, weil er nach dem Augsburg-Spiel allerorten als Stellvertreter für die spielerisch mäßige HSV-Saison herhalten musste, dachte Norbert Meier über einen Rückholaktion des gebürtigen Göttingers nach. »Man müsste mich nicht verprügeln, damit ich ihn zurücknehme«, sagte Fortunas Trainer.
 
Wobei man an diesem Punkt auch hätte innehalten können. Denn lief denn wirklich alles so miserabel? Beister hat in der Saison 2012/13 immerhin 23 Spiele gemacht, zwar nur acht von Anfang an, doch für einen 22-Jährigen, der ein Jahr zuvor noch in der 2. Liga gekickt hatte, einen, der sich in der Offensive in Konkurrenz zu den recht treffsicheren Artjoms Rudnevs und Heung-Min Son sowie zu Rafael van der Vaart befand, war das nicht so schlecht. Er hat gezeigt, dass er ein Erstligaspieler werden kann.

Es gab den Gedanken, alles abzubrechen
 
Dennoch war nicht damit zu rechnen, dass Beister in der aktuellen Saison gesetzt sein würde. Doch dann ging Son zu Leverkusen – und Fink dachte erstmals laut darüber nach, Beister als Ersatz für den Südkoreaner aufzubieten. Am Wochenende spielte er von Beginn an, und man musste unweigerlich an seinen Durchbruch in Düsseldorf denken.
 
Damals hat er mal erzählt, dass es den Gedanken gab, alles abzubrechen. Der Druck, die ständige Konkurrenzsituation – alles schien ein bisschen zu viel. »Doch als Offensivspieler reicht dir manchmal eine gute Aktion, ein einziges Tor«, sagte er in einem Interview mit der »Sport Bild«. Im letzten Hinrunden-Spiel 2011 mit Fortuna gegen Fürth wollte Norbert Meier ihn in der 73. Minute rausnehmen. In der 72. Minute traf er zum 1:0. In den folgenden 14 Spielen erzielte er sechs Tore.
 
Gegen Schalke misslang Beister schon der zweiten Minute der Spielaufbau, ein paar Sekunden später schoss Klaas-Jan Huntelaar zum 1:0 für Schalke ein. Vielleicht spielte Fink während diesen Anfangsminuten wieder einmal mit dem Gedanken, Beister aus dem Spiel zu nehmen. Doch er ließ ihn auf dem Feld, und als er nach etwa 20 Minuten eine Flanke von Jacques Zoua nicht erreichte, sagte Sky-Kommentator Kai Dittmann: »Der Beister hat einen guten linken Fuß, aber ein Kopfballspieler wird er nicht mehr!« Er irrte sich.