Die Nationalelf in der Einzelkritik

Eher Unentschieden

Niklas Süle spielt gegen Holland wie ein Boss, Joshua Kimmich agiert wie sein Oberlippenbart und Leroy Sané gibt eine späte WM-Bewerbung ab. Die Nationalmannschaft in der Einzelkritik.

imago

Manuel Neuer
In der ersten Halbzeit wie das Klischee eines Ruhrgebietsjungen - beschäftigungslos. Gute Paraden zu Beginn der zweiten Halbzeit, starke Parade in der 78. Minute gegen Memphis Depay, als der rechte Fuß fast so schnell draußen war wie ansonsten nur der Reklamierarm.

Antonio Rüdiger
Ein paar Fehlpässe ohne Gegnerdruck in der ersten Halbzeit, schlimmer Timingfehler im Kopfballduell gegen Promes in der 41. Minute. Dafür mit einer 1a-Grätsche kurz vor der Halbzeit. Das ließ ihn offenbar Mut fassen, denn in Durchgang zwei wirkte es fast so, als wäre es sogar nachvollziehbar, dass Rüdiger immer wieder den Vorzug erhält vor soliden bis sehr guten Innenverteidigern wie Matthias Ginter, Jonathan Tah oder, sagen wir, Christian Wörns.

Niklas Süle
Wirkte zu Beginn und im direkten Duell mit Ryan Babel sichtlich irritiert ob dessen Haarfarbe Marke »Pumuckl explodiert«. Ließ sich aber selbst von diesem unsportlichen Verhalten nicht aus der Ruhe bringen. Stark. Klärte in der 31. Minute fast zum Eigentor und also auf die Querlatte. Aber selbst das sah irgendwie nach Absicht aus. In der 73. sogar mit einer Finte vor dem gegnerischen Strafraum. Wäre das Spiel eine Folge »Undercover Boss« gewesen und man hätte raten müssen, wer denn hier der Boss ist, Süle hätte beste Chancen.

Mats Hummels
Vermutlich nicht mehr erkältet. Stattdessen unkte ARD-Kommentator Steffen Simon: »Hummels eingelaufen!« So schlimm war es dann aber doch nicht. Souveräne Balleroberung vor dem 1:0, ansonsten fehlerlos. Bekam vor dem 1:2 ebenso wenig Zugriff auf die Holländer wie die komplette deutsche Elf.

Thilo Kehrer
Mit der ersten guten Chance nach nicht mal einer Minute. Solidarisierte sich in der Szene mit seinen Ex-Kollegen, den Schalker Stürmern, und verzog Richtung Dortmund. Rückte auch in der Folge immer wieder mit auf. Auch, weil er hinten alles fester im Griff hatte als Uli Hoeneß seine Steuererklärungen nach 2014. In der 86. mit der großen Chance auf das 3:1. Unklar, ob er da schießen oder flanken wollte. Ist aber auch egal: In beiden Fällen wäre der Versuch als einfach nur kläglich zu betrachten gewesen. Trotzdem: Hat unbedingt das Zeug zum Stammspieler auf rechts.

Nico Schulz
Wie Kehrer mit starkem Offensivdrang. Könnte in der zweiten Karriere vermutlich als Lungenmaschine arbeiten. Hin und wieder sogar mit einem überlegten Pass (und einem Tunnel gegen de Ligt) statt der üblichen Mittelstreckenrakete, die Schulz eine Flanke nennt. Direktabnahme in der 80. Minute. Mit rechts. Irre, wozu es die Menschheit gebracht hat.

Joshua Kimmich
Trat ein bisschen wie sein Pornobalken auf: Durchaus bemüht, aber man musste sich schon anstrengen, um ihn zu sehen. Beste Szene: Als er sich in der zweiten Halbzeit ohne Grund mit Hollands Riese Virgil van Dijk anlegte, der zwar wesentlich größer, aber ohne Schnurri ist. Schlechteste Szene: Vor dem 2:2, als er einen Kopfball verpasste. Deshalb: eher Unentschieden.