Die letzte verrückte Bundesligasaison

Magath fühlt sich unverstanden

BAYERN VS. HOFFENHEIM
16. SPIELTAG
In den Tagen vor dem Spitzenspiel des Zweiten gegen den Ersten steht Hoffenheim Kopf. Reporter und TV-Sender aus der ganzen Welt drängen sich auf dem ländlich gelegenen Trainingsgelände der TSG, um ihr Publikum auf das Duell Weltklub versus Dorfklub vorzubereiten. Und der kecke Emporkömmling macht das Spiel gerne mit. »Wenn Sie flotte Sprüche hören wollen, dann müssen Sie nach München gehen«, lässt Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick die Weltöffentlichkeit wissen. »Wenn Sie flotten Fußball sehen wollen, dann sind Sie bei uns genau richtig.« Währenddessen gibt sich Uli Hoeneß alle Mühe, mit der Mär vom bescheidenen Dorfverein aufzuräumen. »Da wird übrigens mehr gezahlt, als sie überall rumerzählen«, sagt der Wurstfabrikant vor der Partie. Am Ende gewinnen die Bayern durch ein Tor von Luca Toni in der Nachspielzeit mit 2:1, doch die Hoffenheimer gehen mit der tröstlichen Erkenntnis aus dem Spiel, dass sie mit dem Rekordmeister durchaus mithalten können – und eine Woche später sind Sie tatsächlich Herbstmeister. Damit endet die Halbserie mit dem maximal möglichen Erfolg, was dem Aufsteiger endgültig den Status des Underdogs nimmt. »Sie verlieren ja kein Spiel absichtlich«, sagt Jan Schindelmeiser heute. »Doch mit jedem weiteren Spiel auf dem ersten Tabellenplatz steigt die Erwartungshaltung an diese junge Mannschaft, und es ist nicht leicht, damit umzugehen.« Was übrigens nicht nur für die Spieler gilt. »Der ganze Verein war berauscht«, sagt Vedad Ibisevic, doch damit ist es nicht nur für ihn nach dem Jahreswechsel schnell vorbei. Im Trainingslager im spanischen La Manga reißt beim 18-fachen Torschützen der Hinrunde das Kreuzband. Während er nach der Operation im Krankenhaus liegt, schaut er im TV das »Frühstücksfernsehen«. Überrascht sieht er einen Filmbericht aus der Mannschaftskabine der Hoffenheimer – und fragt sich, ob sein Verein möglicherweise ein bisschen die Bodenhaftung verloren hat.

VFL WOLFSBURG
JANUAR 2009
Das Ziel, das internationale Geschäft zu erreichen, liegt für den VfL Wolfsburg in Magaths zweiter Saison in weiter Ferne, der VW-Klub belegt den neunten Tabellenplatz. In der Winterpause fragt Magath die Spieler unverblümt, was ihre Ziele seien. Aufgrund der Situation setzen die Führungsspieler niedrig an: UEFA-Cup! »Doch Magath antwortete, er sei nach Wolfsburg gekommen, um Meister zu werden«, erinnert sich Marcel Schäfer, und fügt hinzu: »Da haben wir uns natürlich erst mal verwundert angeschaut.« Oft fühlt sich der Trainer zu dieser Zeit unverstanden. Er ist gekommen, um den Klub in der Tabelle nach oben zu bringen. Im UEFA-Cup hat sich der VfL als Gruppensieger durchgesetzt. Dennoch ist die Kritik an ihm, seinen rigiden Methoden, seiner Art der Kommunikation, sowohl in den Medien als auch im internen Zirkel nie abgeebbt. Vielleicht ist Wolfsburg doch nicht reif für die große Bühne, denkt er, lässt die Option verfallen, seinen Vertrag vorzeitig um ein Jahr zu verlängern – und kündigt seinen Ausstieg zum Saisonende an.

HERTHA VS. BAYERN
20. SPIELTAG
Vor der Partie des Dritten gegen den Zweiten erkundigt sich Bayern-Stürmer Miroslav Klose im Spielertunnel nach dem ihm unbekannten Brasilianer Rodnei. »Miro, pass auf, das ist ein richtiger Klotz«, antwortet Herthas Pressesprecher Hans-Georg Felder. »Der kann dir richtig weh tun.« Später ist es jedoch vor allem Frank Ribéry, der gegen Rodnei keinen Stich bekommt. Nach dem 2:1 durch zwei Tore von Andrej Woronin ist Hertha erstmals Tabellenführer.