Die Lehren des Spieltags (8)

Halt die Schnauze!

Damit wenigstens ihr am Sonntag mitreden könnt, statt stillschweigend daneben zu sitzen: die fünf Lehren der gestrigen Samstagskonferenz. Haltet euch bitte an die Etiquette.

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Entschuldigung, welcher Spinner sind Sie denn?

Roger Schmidt wusste schon Bescheid, als Schiedsrichter Bastian Dankert auf ihn zukam. Dieses Spiel gegen die TSG Hoffenheim würde er beim Stand von 0:2 von der Tribüne weiterverfolgen. Das kennt Schmidt, denn schon im letzten Jahr musste er von dort drei Spiele beobachten, als er sich nicht wie ein Bundesliga-Trainer aufgeführt hatte. Zwei weitere Spiele stehen zur Bewährung aus. Er wusste: Die Kacke ist wieder am Dampfen.

 

Denn den Spruch gegenüber Julian Nagelsmann hätte sich Schmidt einfach nicht erlauben dürfen. Nein, nicht aus moralischer Sicht. Denn es ist bei allem Respekt gegenüber Trainer Nagelsmann keine Schande, wenn sein Kollege mal höflich nachfragt, was für ein Spinner er denn sei und ihn bittet, die Schnauze zu halten. Das sind Töne, die man oft genug in der Kreisliga hört. Auf dem Platz, neben dem Platz, an der Seitenlinie. Das wird, wenn der Schiedsrichter mithört, bestraft und gut is'. Kein großes Fass. Doch aus sportlicher Sicht erweist Schmidt seiner Mannschaft in einer prekären Zeit mal wieder einen Bärendienst. Trotz der Bewährung im Rücken konnte sich der Trainer, der stets penibel in Anzugshose und Hemd an der Linie marschiert, nicht an einfachste Regeln und seine Bewährungsauflagen erinnern.

 

Dieser Ausrutscher wird deshalb zum erneuten Problem für Bayer 04 Leverkusen. Doch am Abend machte sich nicht Schmidt lächerlich, der versuchte unter freundlicher Mithilfe des 29-jährigen, gelassenen Nagelsmann die Wogen zu glätten, sondern Rudi Völler. Er fordert, dass der Schiedsrichter »mehr Fingerspitzengefühl« hätte zeigen müssen. Und lud auch dem übertragenden Sender eine Mitschuld auf. Das wiederum ist nun wirklich schlechter Stil.

 

 

Nicht lustig

Tja, Schnauze halten. Manchmal möchte man dann ja doch den Anstand vergessen und es in diesem Fall den verantwortlichen Fans von Hertha BSC herüberrufen. Haltet die Schnauze! Kurz vor Spielende hob der untere Teil der Berliner Ostkurve ein – von den Harlekins 98 Ultras organisiertes – Plakat hoch: »WH’96: Lieber eine Mutter als zwei Väter.«

 

Gemeint war die »Wilde Horde« aus Köln, die ihrerseits vor einiger Zeit das Spruchband anfertigte: »HB98: 11 glückliche Väter und eine glückliche Mutter.« - Ebenfalls nicht sonderlich nett, weshalb sich die Ultras aus Berlin nun darauf zu rechtfertigen versuchen. Wir wurden beleidigt, wir beleidigen zurück.

Eine Erklärung, die vielleicht unter Ultras akzeptiert wird, kindisch bleibt sie dennoch. Dass die Antwort auf dem Rücken homosexueller Mitmenschen ausgetragen wird, ist unnötig und in ihrer Menschenfeindlichkeit auch nicht zu akzeptieren. Abgesehen davon ist das Plakat nicht nur wenig originell. Es ist auch völlig unlustig.