Die Lehren aus dem Debüt von Thomas Doll

Das macht noch Hoffnung

Zum Anderen trafen sie auf den falschen Gegner: RB Leipzigs 4-2-2-2-System ist perfekt darauf eingestellt, ein solches 4-2-3-1-System auszuhebeln. Mustergültig rückten Leipzigs Außenspieler ein, besetzten die Schnittstellen zwischen den Verteidigern. Mit präzisen Pässen fand Leipzig diese freien Räume in den Schnittstellen. Dass es zur Pause nur 0:1 stand, lag einzig an den starken Paraden von 96-Keeper Michael Esser. Leipzigs rechte Seite aus Marcel Sabitzer und Lukas Klostermann legte mehr Torschüsse (sechs) auf als die gesamte Hannoveraner Mannschaft (vier). 

Hier zeigt sich das zweite Problem: die offensive Harmlosigkeit. Leipzig konnte mit dem gewohnt starken Gegenpressing jeden Konterversuch im Keim ersticken. Den ersten Schuss aufs Tor gab Hannover in der 89. Minute ab, da stand es bereits 0:3.

Doll hofft auf den Brustlöser

Neu waren diese Schwächen allesamt nicht. Fehlende Offensivkraft und taktische Schwächen haben Hannover erst in den Abstiegskampf geführt. Die einzig echte Neuerung indes dürfte Doll kaum gefallen haben: Eigentlich verteidigte Hannover Standards bisher gut, fing in 19 Partien nur fünf Gegentore nach ruhenden Bällen – der siebtbeste Wert der Liga. Nun kassierten sie gleich zwei Treffern nach Ecken. Die Zuordnung innerhalb der eigenen Manndeckung stimmte nicht.

Doll indes forderte nach dem Spiel von seiner Mannschaft mehr Leidenschaft. »Da muss jetzt Zug rein. Es muss ein kalter Nordwind in die Trainingseinheiten rein.« An seinem Spielsystem dürfte er weiter festhalten. Er kritisierte zudem den körperlichen Zustand seiner Mannschaft. »Bei dem ein oder anderen muss auch am Fitnesslevel gearbeitet werden.« Doll machte an diesem Abend mehr Kampfansagen als seine Mannschaft.

Kommende Woche wartet das direkte Duell im Kampf um den Nichtabstieg, Hannover reist nach Nürnberg. »Wir müssen es jetzt hinkriegen, dass wir ein anderes Gesicht zeigen, um in der Bundesliga wieder Spiele gewinnen zu können«, so Doll.

Der Weg zum Happy End ist weit.