Die Lehre des Spieltags (17)

Selfies vorm Hotelbuffet

Frisch aus dem Trainingslager kam die Bundesliga zurück aus der Winterpause. Und nach den ersten Auftritten stellt sich die Frage: Was haben die dort eigentlich gemacht?

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Was geschieht, wenn 15 Bundesligisten samt Stahlkoffer voller Gepäck und großen Ambitionen ins Wintertrainingslager fahren? – Gar nichts. Scheinbar. Die Fußball-Bundesliga ist zurück und ödete am ersten Spieltag nach der Winterpause auf neuerliche Weise an. Nach über einem Monat Karenzzeit schossen in der ersten Halbzeit zehn Mannschaften zusammen ein Tor. Viel zu wenig.

 

Überall verbessern

 

»Jeder Tag gibt uns das Gefühl, dass wir eine gute Stimmung haben, die Mannschaft bereit ist für die Aufgaben«, hielt zum Beispiel Thomas Tuchel in Marbella fest. Der Fußball habe viele Facetten, überall wolle sich seine Mannschaft verbessern. Gegen Werder Bremen sah das in der Anfangsviertelstunde gut aus. Nach dem Platzverweis an Jaroslav Drobny und den Auswechslungen von Claudio Pizarro und Serge Gnabry sah der BVB wie der sichere Sieger aus. Stattdessen kam Bremen, die sich am Ende selbst schlugen, zurück ins Spiel. Und Tuchel? Der erkannte, dass trotz Überzahl niemals Ruhe eingekehrt war.

 

Doch nur Borussia Dortmund an den Pranger zu stellen, wäre zu einfach. Schalke 04 mühte sich ebenso gegen den FC Ingolstadt. Denen ist hingegen nichts vorzuwerfen, denn das Trainingslager fand auf heimischem Rasen statt und trotzdem zeigte der Gast mehr Engagement, Kampf und Laufbereitschaft als Urlauber von Marbella.

 

Bis jetzt ungeschlagen

 

In die spanische Sonne hatte es auch Darmstadt 98 und Borussia Mönchengladbach verschlagen. Es ist die Standardvariante des winterlichen Trainingslagers für Bundesligisten. Und während andere Mannschaften über den gesamten Atlantik segelten, um in Orlando vorzuspielen oder sich kein Bild von den Menschenrechtsverletzungen in Katar zu machen, konnte man an der Costa del Sol in aller Ruhe an seinen Zielen arbeiten.

 

Das Ergebnis? Blutleer und verängstigt grätschten sich beide Abstiegskandidaten über den Platz, vermieden tunlichst den engeren Kontakt zum gegnerischen Strafraum. Immerhin klopften sich die neuen Trainer Torsten Frings und Dieter Hecking nach dem 0:0 freudig auf die Schultern: Bis jetzt ungeschlagen.

 

Leatherman am Gurt

 

Es war, als wären 15 Bundesligisten mit Leatherman am Gurt in die entlegensten Länder gereist, nur um beim heimischen Dia-Vortrag mit Selfies vor dem Hotelbuffet aufzuwarten.

Wolfsburg zeigte im Vergleich zum Vorjahr auch keine Leistungssteigerung, sondern profitierte von einer Gelb-Roten Karte der besonders unnötigen Sorte an Hamburgs Albin Ekdal. Und so konnte nur eine Mannschaft in der ersten Konferenz des Jahres spielerisch ein wenig überzeugen: TSG Hoffenheim. Der – und hier befindet sich der ironische Höhepunkt des Dramas – als einer von nur drei Bundesligisten zuhause geblieben war.

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