Die kurzlebigsten Trikots der Fußballgeschichte

Hemden mit zwei Streifen

Unlängst lief Udinese mit elf verschiedenen Trikots auf — jeder Spieler mit einem aus den vergangenen zehn Jahren. Noch viel seltener: Diese Trikots, die verschwanden, weil sie verbotene Werbung machten, ein Krieg ausbrauch oder sie einfach zu hässlich waren.

Vereinsarchiv Wormatia Worms
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Pioniere aus Worms (siehe Titelbild)
In der Bundesligaschule haben wir alle durchgenommen, dass Eintracht Braunschweig im März 1973 die Trikotwerbung einführte, als die Elf mit dem Jägermeister-Logo auf der Brust gegen Schalke antrat. Dabei lag die wahre Premiere da bereits sechs Jahre zurück.

Denn am zweiten Spieltag der damals zweitklassigen Regionalliga Südwest betraten die Spieler von Wormatia Worms mit Reklame auf der Vorder- und Rückseite (!) ihrer Trikots den Rasen zum Heimspiel gegen den SV Alsenborn. Der »Kicker« berichtete: „In Worms war die Sensation schon beim Einlaufen der Mannschaften perfekt. Wormatia erschien mit den Schriftzügen eines Straßenmaschinenunternehmens als Werbeschrift auf dem weißen Trikot und dem Firmenwappen auf der roten Hose. Die Reaktion des Publikums: Beifall und Lachen.«         

Weniger amüsiert war man beim Verband. Zwei Tage vor der Partie hatte Wormatias Vorsitzender Hans Walter Stein sich erkundigt, ob es in den Satzungen einen Passus gebe, der diese Art von Werbung verbiete. Vom DFB-Pressechef Dr. Wilfried Gerhardt erhielt er die Antwort, dass sich nichts dazu in den Regeln finde.

Also ging Stein mit der Firma Caterpillar, die in Worms eine Niederlassung unterhielt, einen Deal ein, der dem klammen Klub 5000 Mark einbringen sollte. Dreimal trug sein Team die revolutionären Trikots, dann schrieb der DFB jenes Verbot in die Spielordnung, das Braunschweig später aushebelte. Die Hemden wurden eingemottet und sind, wie Wormatias Chronist Christian Bub mitteilt, der Nachwelt nicht erhalten geblieben.        

Übrigens schrieb die „Stuttgarter Zeitung« vier Tage nach dem Spiel zwischen Worms und Alsenborn: „Man bedenke, welche Möglichkeiten sich da erst den Bundesligavereinen eröffnen! 1860 München könnte im Löwenbräudress antreten und der VfB Stuttgart sich von einem guten Stern auf die Siegerstraße führen lassen. Aber das alles wäre nur der Anfang. Eines Tages würde eine Firma einen ganzen Verein mit Haut und Haaren besitzen und sich vom Verband überhaupt keine Vorschriften mehr machen lassen.«

So weit wird es natürlich zum Glück nie kommen. 

Die grüne Alternative
Eines der ganz großen Spiele in der Geschichte von Eintracht Frankfurt fand am 28. November 1979 unter Flutlicht statt. Im Achtelfinale des UEFA-Cups fegte die Eintracht über Feyenoord Rotterdam hinweg, siegte mit 4:1 und gewann sechs Monate später den Pokal. Die Partie ist aber auch deshalb berühmt, weil Frankfurt zum ersten und einzigen Mal in grün-weißen Trikots spielte. Seither wird gerätselt, wie und warum das geschah. Matthias Thoma, Leiter des Vereinsmuseums, befragte sogar Charly Körbel, Norbert Nachtweih und Bernd Hölzenbein. Doch obwohl sie damals in der seltsamen Kluft steckten, zuckten sie nur mit den Schultern. 

Der einzige Mensch, der Licht ins Dunkel hätte bringen können, war Eintrachts legendärer Zeugwart Anton Hübler, doch er nahm das Geheimnis mit ins Grab. Und so bleiben uns heute nur Theorien. Die erste – und lange Zeit stimmigste – besagt, dass die Frankfurter ein Problem mit den Trikots hatten und welche von den Gästen bekamen; schließlich ist Feyenoords Ausweichkluft traditionell grün-weiß. Doch dann stieß Thoma auf einen Vorbericht zu dem Spiel, in dem es heißt: »Grüne Trikots, weiße Hosen, grüne Stutzen. So spielt unsere Nationalmannschaft ab und zu mal. Genauso wird die Eintracht am Mittwoch gegen Feyenoord einlaufen.« Die Trikots lagen also schon bereit und kamen nicht aus Rotterdam. 

Aber woher dann? Walter Drefahl, ein Ex-Spieler der Eintracht-Amateure, erinnert sich, dass deren Ausweichdress damals grün war. Vielleicht borgten sich die Profis den für das Feyenoord-Spiel aus, da es im Europacup zu jener Zeit üblich war, dass im Notfall die Heimelf wechselte. (Im November 1978 spielte Gladbach zum Beispiel am Bökelberg in Rot gegen Slask Wroclaw.) Oder, die dritte und schönste Theorie: Eintracht bediente sich beim in Frankfurt beheimateten DFB und lief tatsächlich im Dress der Nationalelf auf. So oder so ist das grüne Hemd die Blaue Mauritius der Frankfurter Trikotsammler.



Foto: Imago