Die kuriosesten Vereins-Mäzene

»Mit einem Hauptschüler rede ich nicht«

21. Hartwig Piepenbrock (VfL Osnabrück)

Hart, aber fair. »Mit einem Hauptschüler rede ich nicht«, konstatierte 1977 Osnabrücks Trainer Siegfried Melzig und meinte ein Vorstandsmitglied. Jungpräsident und späterer Großmäzen Hartwig Piepenbrock entband ihn kaltschnäuzig seines Amtes: »Herr Melzig, Sie sind fristlos beurlaubt.« Ex-Gymnasiast Melzig schrie: »Das will ich schriftlich.« Bekam er.

22. Friedhelm Runge (Wuppertaler SV)

Friedhelm Runge, skandälchenträchtiger Alleinherrscher beim Wuppertaler SV, sorgte auf der Mitgliederversammlung 2006 höchstpersönlich dafür, dass zwei ihm nicht genehme Kandidaten für den Aufsichtsrat nicht gewählt werden durften. Die Namen der Opponierenden mussten die Vertragsspieler höchstselbst per Kuli von jedem der 200 Wahlzettel streichen.

23. Bernard Tapie (Olympique Marseille)

Ein Pariser in Marseille. Fürwahr undenkbar. Aber nicht bei Bernard Tapie. Populistisch geschicktes Auftreten, Milliarden-Background und Verbindungen bis in höchste Staatskreise verhalfen ihm zur Olympique-Diktatur. OM dominierte den französischen Fußball, wurde erster Champions-League-Sieger. Jedoch erblickten seine dunklen Mächte alsbald Tageslicht: Steuerbetrug, schwarze Kassen, Schiri-Bedrohungen und Spielmanipulation. Der Verein wird 1994 zum Zwangsabstieg verurteilt, Tapie später zu vier Jahren Haft.

24. Rolf-Jürgen Otto (Dynamo Dresden)

Eine Top-Position unter den zwielichtigen Gestalten belegt Ex-Dynamo-Dresden-Präsident Rolf-Jürgen Otto. Im Westen scheiterten diverse Projekte unter anderem als Boxveranstalter. Nach der Wende residierte er im Bellevue, rettete erst Dynamo und zog unter großer Show in den Stadtrat ein. Der Rest sind beispiellos krumme Geschäfte, ein Trümmerhaufen von einem Traditionsverein und aufgedeckte drei Millionen veruntreute Mark.

25. Ralph Burkei (VfB Leipzig)

Erziehungscamp 2.0 – Fans des VfB Leipzig stürmten während des Ortsderbys 1999 den Platz in Richtung FC Sachsen-Block. VfB-Präsident Ralph Burkei, der den Zweitligaabsteiger mit Millionen am Leben erhalten hatte, bemerkte nach Spielende lapidar: »Es ist mir lieber, wenn die Jungs hier mal über das Spielfeld rennen, als wenn sie einer alten Oma die Handtasche rauben würden.« Wenig später lag der Verein erneut auf der Intensivstation, Burkei machte sich vom Acker.

26. Albert Sprehe (BV Cloppenburg/SV Wilhelmshafen)

Manch niedersächsischer Fußballklub erfuhr schon Unterstützung von »Hühnerbaron« Albert Sprehe. Die jeweiligen Übungsleiter waren beim meinungsfreudigen Mitbestimmer dagegen von jeher unterprivilegiert. »Niemals zuvor in meinem Leben musste ich mir derartige Beleidigungen gefallen lassen. Beim Blick in den Spiegel muss ich noch immer Jürgen Bodendorf erkennen und nicht eines der Masthähnchen Sprehes«, sagte 1999 der entnervte Ex-Cloppenburger Bodendorf. Heuer sitzt der Hauptsponsor im Aufsichtsrat von Oberligist Wilhelmshaven. Das jüngste Opfer: Trainer Kay Stisi, im vergangenen September nach lediglich fünf Monaten in Amt und Würden entfernt. Grund: Kritik an Feinkostunternehmer Sprehe.

27. Silvio Berlusconi (AC Mailand)

Mäzene sollten sich für einen Klub entscheiden und ihm dann die ewige Treue schwören. Sonst drohen großformatige Schlagzeilen wie im Falle von Silvio Berlusconi, dem Mogul des AC Milan. Der geriet 2004 in den Verdacht, früher großer Anhänger des Rivalen Inter Mailand gewesen zu sein und sogar Kaufabsichten gehegt zu haben. Berlusconis Kommentar: »Ich war niemals Inter-Fan, weil man nicht seine Religion ändern kann!«

28. Erhard Goldbach (Westfalia Herne)

Erhard Goldbach, Besitzer der Petrol-Firma »Goldin«, pumpte Mitte der 70er Jahre Millionen in den Traditionsklub Westfalia Herne und hievte die Westfalia bis in die 2. Liga. So dankbar war man Goldbach, dass zwischendurch sogar die Lizenzspielerabteilung »SC Westfalia Goldin 04 Herne« getauft wurde. Dann kam raus, dass Goldbach doch kein genialer Geschäftsmann war, sondern schlicht vermieden hatte, die Mineralölsteuer zu bezahlen. Westfalia verlor die Lizenz für die 2. Liga, kurioserweise allerdings erst nach dem 1. Spieltag. Der DFB reagierte kreativ und erklärte die absolvierte Partie auf dem kurzen Dienstweg zum Freundschaftsspiel.

29. Wilhelm Neudecker (FC Bayern München)

Wilhelm Neudecker, Patriarch des FC Bayern, verstand die Welt nicht mehr. Lediglich eine zweimotorige Hawker Siddeley HS 748 sollte seine Spieler im Oktober 1973 zum Europacup nach Norrköping bringen. Erschrockene Feststellung: »Das ist ja ein Heuhupfer, mit dem man höchstens bis nach Augsburg fliegen kann!« Unter Schamesröte stellte die Fluggesellschaft eine den Bayern genehme Maschine zur Verfügung.

30. Bulat Tschagajew (Xamax Neuchâtel)

Zum guter Letzt ein Beispiel dafür, wie man es als Mäzen schafft, von seinen eigenen Spielern gefürchtet zu werden. Im vergangenen Jahr herrschte der tschechenische Geschäftsmann Bulat Tschagajew beim damaligen Schweizer Erstligisten Xamax Neuchâtel. Nach einem 2:2 gegen den Tabellenletzten Lausanne stauchte der Club-Chef seinen Trainer Joaquin Caparros derart zusammen, dass es die Xamax-Spieler mit der Angst zu tun bekamen. Tschagaew hatte sogar bewaffnete Bodyguards im Schlepptau. Später befürchteten Xamax-Spieler in Moskauer Zeitungen, dass Tschagaew sie irgendwann »noch alle umbringen« werde. Als ihm ungetreue Geschäftsbesorgung vorgeworfen wurde, musste Tschagaew in Untersuchungshaft - der Schrecken in Neuchatel war vorbei, verbunden allerdings mit einem sofortigen Zwangsabstieg. Später wurde der Verein sogar aufgelöst. Tschagaew - mittlerweile wieder auf freiem Fuß - ist übrigens ein guter Freund von Ramsan Kadyrow, dem als Präsidente der Teilrepublik Tschetchenien mit Mord- und Foltervorwürfen konfrontiert wird. Und gleichzeitig die Geschicke des russischen Erstligisten Terek Grosny leitet.