Die Konsequenzen im Fall Jatta

Warum Nürnbergs Protest keine Chance hat

Die bisher weiteren Pflichtspielgegner des HSV reagierten anders. Auf Nachfrage von 11FREUNDE bestätigt der DFB, dass der Chemnitzer FC »zu diesem Zeitpunkt keinen Einspruch eingelegt« hat. Ebenso wie der SV Darmstadt 98, der in einer Stellungnahme zudem verdeutlicht:

»Wir haben bewusst auf einen Einspruch verzichtet, weil in unseren Augen offensichtlich kein bewusst unsportliches Verhalten seitens des Hamburger Sportvereins vorliegt. Der HSV hat für uns glaubhaft öffentlich versichert, gültige Dokumente des Spielers zu besitzen, die eine offizielle Spielberechtigung rechtfertigen. Unserer Meinung nach ist es daher in diesem Fall falsch, mit juristischen Mitteln sportlich erzielte Ergebnisse anzufechten und sich am grünen Tisch Punkte erstreiten zu wollen.«

Wie unglücklich der Nürnberger Einwand anmutet, wird zudem deutlich, wenn man hinzuzieht, was der Bochumer Rechtsanwalt Christof Wieschemann im Gespräch mit 11FREUNDE sagt: »Eine Spielberechtigung wird nicht rückwirkend entzogen, weshalb kein Raum für eine neue Spielwertung besteht.«


Verantwortung gegenüber dem Spieler


Wobei der Chemnitzer FC, Gegner vom vergangenen Sonntag und also nach Veröffentlichung der Vorwürfe, schon ganz andere Chancen hätte, wie Wieschemann betont, denn: »Nach dem Bekanntwerden des Verdachtsfalls ist der HSV jetzt bösgläubig. Sie haften ab dem Zeitpunkt, ab dem sie Kenntnis über die strittige Rechtmäßigkeit von Jattas Spielberichtigung haben. Ich würde nicht dazu raten, ihn jetzt noch einzusetzen.«



Eine Einschätzung, die sich auch auf Paragraph 10, Absatz 2.4 der Spielordnung des DFB stützt: »Der Verein ist für die Richtigkeit der Eintragungen im Spielerpass, die auf seinen Angaben beruhen, verantwortlich.«


Der Hamburger SV allerdings scheint sich vor allem dem Spieler gegenüber verantwortlich zu fühlen. 


Hamburg hält zusammen

So sagte Trainer Dieter Hecking: »Er hat einen gültigen Pass, eine Spielberechtigung. Und er ist super integriert. Dass das alles jetzt infrage gestellt wird von einem Medium, dafür habe ich wenig Verständnis. Sollte etwas Negatives rauskommen, werden wir als Verein alles dafür tun, dass er aufgefangen wird und alles für ihn gemacht wird. Dass er alles erfährt, was er braucht, nämlich Vertrauen.«



Kapitän Aaron Hunt äußerte sich ähnlich: »Die Geschichte von Bakery Jatta. Eine, die mich, unsere gesamte HSV-Familie und eine ganze Stadt traurig stimmt. Eine rein auf Indizien basierende Story ist im Begriff zu einer Kampagne zu werden. Einer Kampagne, die eines Menschen nicht würdig ist. Hier wird ein Junge vorverurteilt, der eigentlich nie eine Chance hatte und sie trotzdem nutzte. Der geflüchtet ist und schließlich alles zurücklassen musste, um zu überleben. Der auf der Flucht war, um ein Stück von dem zu erleben, was für uns normal ist … (...) Baka, dein Verein, deine Stadt, deine (HSV-)Familie stehen hinter dir. Egal, was komme: Denn die Familie hält zusammen.«



Untermauert wurde diese Haltung auch von den Fans, die vor dem Pokalspiel in Chemnitz auf einem Banner bekundeten: »Bakery: No matter what, we got your back.«