Die irre Auswärtsreise eines englischen Fans

I would walk 300 miles

Ein 53-jähriger Engländer ging zu Fuß von Birkenhead ins 500 Kilometer entfernte Dover. Ist er verrückt? Nein, er ist Fußballfan. Blöd nur: Das Auswärtsspiel fiel aus.

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Manche Menschen behaupten immer noch, Fußball sei eine schöne Nebensache. Ein Hobby. Wie Bierdeckel sammeln. Wie Insekten nach Größe sortieren. Was für ein grober Unfug.

Fußballfans stehen unter der Woche bei Minus 20 Grad in Zabrze oder Tromsö, weil der eigene Klub dort gerade um den Einzug in die zweite UI-Cup-Runde kämpft. Sie fahren sogar an spielfreien Tagen nach Meppen, nur um mal ein wenig Zweitligaluft aus der Saison 1994/95 zu schnuppern. Sie tragen ihr seit 1984 ungewaschenes Olaf-Thon-Matchworn-Trikot mit Paddock's-Aufdruck zur Hochzeit.

Oder sie wandern 300 Meilen zu einem Auswärtsspiel. So wie der Engländer Richie Hellon.

Um den Fünftligisten Tranmere Rovers bei Dover Athletic zu sehen, ging der 53-jährige Postbeamte den ganzen Weg aus Birkenhead im Nordwesten Englands bis nach Dover im Südosten zu Fuß. Jeden Morgen um 6 Uhr machte er sich auf den Weg, erzählte er dem »Liverpool Echo«, erst spät am Abend kehrte er in Hotels zum Schlafen ein. Insgesamt benötigte er sechs Tage für die Strecke.


Tranmere-Rovers-Fan Richie Hellon unterwegs. (Foto: Richie Hellon)

Vier Wochen auf dem Ditmar-Jakobs-Weg

Hellon reiht sich damit ein in den Walk of Fame berühmter Extrem-Auswärtsfans. Einer von ihnen ist HSV-Fan Volker Keidel, der 2014 aus seiner Heimatstadt München nach Hamburg wanderte, um das erste Heimspiel seines Lieblingsklubs im Volksparkstadion zu sehen. Für die 800-Kilometer-Tour, die er »Ditmar-Jakobs-Weg« nannte, brauchte er etwa vier Wochen. Gelohnt hat sie sich nicht: Der HSV verlor 0:3 gegen Paderborn.

Noch ein Stück verrückter waren jene drei Fans des russischen Klubs Zenit St. Petersburg, die 2009 mit dem Auto zu einem Auswärtsspiel quer durch Russland fuhren. Ziel der Reise: das knapp 10.000 Kilometer entfernte Wladiwostok im äußersten Südosten des Landes. Kurz vor Nordkorea. Endstation der Transsibirischen Eisenbahn. Ende der Welt. Ihr Reisegefährt, ein Honda Civic, gab glücklicherweise erst in Wladiwostok den Geist auf. Zurück ging es mit der Bahn. Und als sie wieder zu Hause waren, spendierte der Verein ihnen einen Neuwagen. Für die nächste Reise zum FK Sibir, einem Klub aus Nowosibirsk, das lächerliche 3800 Kilometer von St. Petersburg entfernt liegt.

Die haben doch ein Rad ab!

Ein echtes Rad ab hatte auch der Argentinier Pedro Gatica. Im Frühjahr 1986 reiste der damals 52-Jährige von Buenos Aires nach Mexiko City, um seine Nationalmannschaft bei der WM zu unterstützen. Er hätte fliegen oder mit dem Bus fahren können, aber er entschied sich, vermutlich aus Kostengründen, für sein Fahrrad. Die Tour de America dauerte mehrere Monate. Am Ende hatte er 20.000 Kilometer in den Knochen.