Die iranische Nationalmannschaft im Steckbrief

Alireza und die 40 Käufer

Die Iraner sehen sich selbst als »Brasilianer Vorderasiens«. Wenn sich das mal nicht nur auf das Ergebnis (1:7!) bezieht.

imago

Zahlen zum Team

FIFA-Rang: 42
WM-Teilnahmen: 5

Einwohner: 79 926 000

Noch eine Zahl zum Team

Acht Jahre lagen kriegsbedingt zwischen dem ersten Spiel Irans 1941 und dem zweiten.

Spitzname

Team Melli

Der Trainer

Der Mann ist Weltmeister, 1989 und 1991 führte er Portugals U20 zu zwei Titeln. Die Zeit danach brachte auch Ernüchterungen, wie die Stippvisite bei Real Madrid 2003. Den Iran trainiert Carlos Queiroz seit 2011.

Der Kapitän

Eigentlich sollte Masoud Shojaei bei der WM nicht spielen dürfen, weil er mit seinem damaligen Klub Panionios gegen den israelischen Verein Maccabi Tel Aviv angetreten war. Vom iranischen Sportministerium wurde Shojaei also – logisch – zunächst lebenslang aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen. Doch nach Protesten der Fans und weil der Ausschluss des Spielers gegen internationale Sport-Regularien verstoßen hätte, wurde Shojaei doch noch nominiert. Quasi hollywood-reif. Wäre die Geschichte nichts insgesamt so komplett schwachsinnig. 

Der Star

Noch ist Alireza Jahanbaksh international ein kleiner Fisch. Nach der WM soll das, zumindest wenn es nach den iranischen Fans geht, anders sein. Denn der Rechtsaußen von Alkmaar hat eine Saison hinter sich, die man - vorsichtig ausgedrückt – als bombastisch bezeichnen könnte. In der Eredivisie lochte er 21-mal, mit grade erst 24 Jahren auf dem Buckel dürfte er sich damit in die Notizhefte diverser Topvereine gespielt haben. Kann Jahanbaksh die Hoffnungen, die die Iraner in ihn setzen, nur ansatzweise erfüllen, wird das ein spannender Sommer für ihn.

Stammtischwissen
Fast 1 000 Minuten bliebt der Iran in der Qualifikation ohne Gegentor, erst im letzten Spiel riss die Serie.

Die Anekdote

Von seinem Bielefelder Trainer Ernst Middendorp wurde er als »Mischung aus Rüdiger Abramczik und Horst Hrubesch« gefeiert, einen Großteil der Weltöffentlichkeit beeindrucken wahrscheinlich eher die 109 Länderspieltore (Weltrekord!). Ali Daei ist auch zwölf Jahre nach seinem Karriereende noch immer das Nonplusultra des iranischen Fußballs – und jemand, der ihm den Rang ablaufen könnte, nicht wirklich in Sicht. Trotzdem ist die Euphorie im Iran vor der Weltmeisterschaft riesig. Das aktuelle »Team Melli« wird als das stärkste aller Zeiten gehandelt. Mittlerweile kickt mehr als die Hälfte der Spieler in Europa (2011 war es noch ein einziger), und mit den jungen Stürmern Sardar Azmoun (Rubin Kazan) und Alireza Jahanbakhsh (AZ Alkmaar) gibt es zumindest zwei Mini-Daeis im Team. Blöd nur: die Gruppe mit Spanien, Portugal und Marokko. »Es hätte einfacher kommen können«, meint nicht nur Ashkan Dejagah. Der deutsche U 21-Europameister von 2009 kommt für die Rolle des Daei-Erben eher nicht in Frage. Zwar fungierte der gebürtige Teheraner in der WM-Qualifikation mitunter als Kapitän des Teams. Im Februar musste er sich dann aber einer Knie-OP unterziehen. Tragende Rolle in Russland: unwahrscheinlich.