Die inoffizielle Ostmeisterschaft

Hansa vs. Energie vs. Union

20 Jahre nach dem Mauerfall ist der Kampf um die Nummer 1 im Osten neu entfacht. Da sich in der kommenden Zweitliga-Saison gleich drei Vereine der ehemaligen DDR tummeln, rufen die Klubs eine inoffizielle Ost-Meisterschaft aus. Die inoffizielle Ostmeisterschaft »Es hat einen gewissen Reiz zu klären, wer denn der beste Ostverein ist. Wir wollen bei diesem Vergleich ein Wörtchen mitreden«, sagt Dirk Zingler, Präsident von Union Berlin. Während der Aufsteiger mit modernisiertem Stadion und frischem Geld selbstbewusst den Angriff sucht, pochen Bundesliga-Absteiger Energie Cottbus und der langjährige Erstligist Hansa Rostock auf ihre Vormachtstellung in den neuen Bundesländern.

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»Union ist gerade erst in die zweite Liga aufgestiegen und wird sich dort bewähren müssen. Wir und Rostock sind ihnen noch um einiges voraus´, sagt Energie-Präsident Ulrich Lepsch und betont: »Wir waren in den letzten Jahren der beste Ostverein, denn wir haben die Fahne in der Bundesliga hochgehalten.«

Hansa hält sich für den sympathischsten Verein

Auch Hansa-Boss Dirk Grabow bremst die Berliner verbal ein. »Als Aufsteiger müssen sie sich erst einmal etablieren. Das wird schwer genug«, sagt der Rostocker Vorstandschef, der den Vergleich mit den beiden Ost-Rivalen nicht scheut: »Was die Sympathie betrifft, sind wir ganz klar die Nummer eins im Osten.« Belegt wird diese These von einer Studie des Vermarkters sportfive. Demnach ist Hansa Rostock bei den Fußball-Fans in ganz Deutschland der bekannteste (79 Prozent) und sympathischste (22) Ostklub. Union dagegen hat mit der Hauptstadt im Rücken einen erheblichen Standort-Vorteil, zudem gilt der Verein als Kultklub. Das größte Plus sind aber die treuen und leidensfähigen Fans, die das Stadion »Alte Försterei« größtenteils mit eigenen Händen in ein Schmuckkästchen umgebaut und so dem Klub 2,5 Millionen Euro Ersparnis gebracht haben. Doch Union-Boss Zingler sagt: »Fußball wird auf dem Rasen gespielt und nicht auf den Rängen.«

Cottbus dürfte zumindest auf dem Papier über das stärkste Team verfügen. Die Abgänge der Leistungsträger Ervin Skela, Dimitar Rangelow und Ivica Iliev konnten durch die Neuzugänge Leonard Kweuke, Markus Brzenska und Roger kompensiert werden. Bei Hansa blieb der mit vielen Talenten besetzte Kader größtenteils zusammen. Bei Union setzt Trainer Uwe Neuhaus vor allem auf die Aufstiegshelden. Vorteile haben die Rostocker (16 Millionen Euro) und Cottbuser (13) gegenüber den Berlinern (12,2) auch bei der Höhe des Etats, da beide noch von ihrer langjährigen Bundesliga-Zugehörigkeit profitieren. »Strukturell und wirtschaftlich haben sie sicher noch einen Vorsprung«, sagt Zingler. Doch finanziell befinden sich die »Eisernen« bereits auf der Überholspur. Der neue Hauptsponsor (International Sport Promotion/ISP) spült jährlich zwei Millionen Euro in die Kasse. Hansa und Energie dagegen suchen seit Wochen nach einem neuen Trikotsponsor. Zuletzt hatte die Vermarktungsagentur Infront per Anzeige beide Klubs sogar im Doppelpack angeboten.

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