Die heimlichen Stars der Liga: Ron-Robert Zieler

Flug unter dem Radar

Bei Hannover 96 stellt er sich in den Dienst der Mannschaft. Auch das trägt dazu bei, dass er von vielen Fans unterschätzt wird. Denn er ist der würdige Schüler eines großen Lehrers.

11FREUNDE
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Als die Stadt Köln vergangenes Jahr ihre Weltmeister ehrte, waren zwar Lukas Podolski und DFB-Fitnesstrainer Yann Benjamin Kugel anwesend, ein anderer berühmter Sohn der Stadt fehlte jedoch: Ron-Robert Zieler. Angeblich sei 
er nicht zu erreichen gewesen; genauso gut könnte ihn das Kölner Rathaus aber einfach vergessen haben. Erst Wochen später holte man diesen Fauxpas nach.

Er wird oft vergessen

So wie in Köln ergeht es Ron-Robert Zieler oft. Er wird vergessen, übersehen und schlichtweg falsch eingeschätzt. Seine Karriere verläuft trotz regelmäßiger Nominierungen fürs Nationalteam seltsamerweise unter dem Radar. Bei deutschen Torhütern fällt den meisten Fußballfans zuerst Manuel Neuer ein, dann die aufregenden Jungspunde wie Marc-André ter Stegen oder Bernd Leno. Dagegen wird Zielers Rolle in der Nationalelf gerne mal in Zweifel gezogen.

Auch wenn es manchen Event-Fan
erstaunen mag, der mitspielende Tor-hüter war schon erfunden, bevor Neuer bei der WM Algeriens Stürmer abgrätschte. Um die Jahrtausendwende hatte die moderne Torhüterschule 
ihren Sitz aber nicht in Deutschland, 
sondern bei Manchester United. Dort entwickelte der Holländer Edwin van der Sar seine eigene Interpretation 
der Torwartposition – nicht auf der Linie klebend wie ein Oliver Kahn, sondern weit vorrückend, aktiv, mitspielend.

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Nachdem er schon mit 16 Jahren den 1. FC Köln verließ, machte Zieler seine ersten Schritte als Profifußballer 
bei Manchester United, als Schüler Van der Sars. Das Ergebnis sieht man noch heute. Der Hannoveraner ist der vielleicht kompletteste Torhüter der Bundesliga, er hat keine auffälligen Schwächen, weder am Ball noch in der Luft. Er ist nicht schwächer als Neuer oder ter Stegen. Besonders seine langen Bälle kommen auf den Punkt.

Dass Zieler oft trotzdem nicht als moderner Torhüter gesehen wird, liegt an
dem Klub, für den er spielt. Tiki-Taka hat noch nicht den Weg nach Niedersachsen gefunden, lange Bälle sind bei Hannover 96 ein ungleich wichtigeres Stilmittel als bei Bayern oder bei Barça. Niemand verlangt von Zieler, dass er die Verteidiger mit Flachpässen füttert – und deshalb tut er es auch nicht. Zielers Spiel lässt sich schlecht in ein zweiminütiges Highlightvideo auf Youtube pressen. Es ist aber zweckmäßig angepasst an den Verein, für den er spielt – und genau das macht ihn so wichtig für Hannover 96.


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