Die Gründe für Herthas Aufschwung

Mut und Mottenkiste

Der Aufschwung von Hertha BSC liegt am neuen Mut, besserem Personal und einem Uralt-Trick.

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»Die alte Dame« Hertha BSC: Unter Trainer Pal Dardai hat die Mannschaft in den vergangenen Jahren diesem Spitznamen alle Ehre gemacht. Hertha spielte defensiven, resoluten Fußball – der irgendwie aber auch immer etwas altbacken wirkte. Viele Tore oder gar viele Torchancen boten die Herthaner ihrem Publikum nur selten.

Und nun das: Mit zehn Punkten aus vier Spielen haben die Herthaner einen Traumstart hingelegt. Neun Tore gelangen ihnen dabei, mehr als jedem anderen Bayern-Verfolger. Beim 4:2-Sieg über Borussia Mönchengladbacher boten die Herthaner ein Offensivfeuerwerk wie lange nicht mehr im Berliner Olympiastadion. Vier Gründe, warum Hertha BSC aktuell so erfolgreich ist.

1. Spielaufbau jetzt auch mit Risiko!
Hertha-Spiele waren in den vergangenen Jahren meist zähe Angelegenheiten. Dardais Marschroute lautete, möglichst wenige Torchancen auf beiden Seiten zuzulassen. Er spekulierte mit seiner Strategie darauf, dass seine Mannschaft die eigenen Chancen im Zweifel besser verwertet als der Gegner. Dardai ließ vor allem das defensive Verschieben trainieren.

Im Spielaufbau fielen die Herthaner selten mit Risikopässen auf. Im Gegenteil: Hertha ließ den Ball lange laufen und vermied Pässe ins offensive Mittelfeld. Diese tragen auch immer das Risiko mit sich, dass die eigene Mannschaft Konter fängt. Keine Mannschaft spielte in der vergangenen Saison mehr Pässe pro eigenen Schussversuch als die Herthaner; nicht einmal die Bayern, die der Fußball-Fan eigentlich mit langen Ballbesitz-Staffetten verbindet.

In diesem Punkt hat sich Hertha merklich gewandelt. Sie wagen mehr Risiko. Das zeigt sich vor allem auf der Position der Doppelsechs: Mit Eigengewächs Arne Maier und Liverpool-Leihspieler Marko Grujic agieren zwei Jungspunde im zentralen Mittelfeld, die ihre Stärken eher im Passspiel als in der Defensive haben. Vor ihnen agiert mit Ondrej Duda ein weiterer Akteur, der ständig den Raum zwischen den gegnerischen Linien besetzt. Hertha wagt wesentlich mehr Risikobälle zwischen die gegnerischen Ketten. Dadurch sind sie im eigenen Ballbesitzspiel vertikaler ausgerichtet.

2. Dampf über die Außen
Dass Hertha in dieser Saison offensiver agiert, liegt aber nicht in erster Linie am zentralen Mittelfeld. Sie sollen mit ihrer Präsenz im Zentrum den Gegner zwingen, in die Mitte zu ziehen, sodass Herthas Außenstürmer Raum erhalten. 

Risiko wagt Dardai vor allem auf der rechten Seite. Die Rechtsverteidiger-Position vertraut er Valentino Lazaro an, einem gelernten Offensivspieler. Lazaro macht ordentlich Dampf über seine Seite. Das erlaubt es wiederum Salomon Kalou, als Außenstürmer weiter ins Zentrum zu rücken und Torgefahr zu entfachen. 

Um Lazaros offensive Ausflüge defensiv abzufedern, agiert Marvin Plattenhardt auf links etwas zurückhaltender. Das macht aber nichts: Auf Linksaußen überzeugt Javairô Dilrosun als dribbelstarker Flügelflitzer, der es auch mit mehreren Verteidigern aufnehmen kann. Gegen Gladbach legte er gleich zwei Treffer auf.