Die großen Fragen bei einem HSV-Abstieg

Wer nimmt den Dino?

Bei einem Abstieg würde der HSV nicht nur erstmals zweitklassig spielen, er muss sich auch mit neuen Fragen beschäftigen: Wer nimmt den Dino? Was passiert mit der Fankneipe »Unabsteigbar«? Und wer schraubt die Uhr ab?

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Die Kneipe
Immer wieder ein Brüller: Friseure, die sich »Haargenau« oder »GmbHaar« nennen. Fast-Food-Imbisse, die »Burgermeister« oder »Burgerschreck« heißen. Fahrradläden, die sich »Rad und Tat« oder »Oberstudienrad« schreien. Das dachte sich auch HSV-Fan Mario Drifte, der zwar keinen Friseur-Salon oder Imbiss besitzt, dafür eine Kneipe in unmittelbarer Nähe zum Volksparkstadion. Und was lag näher, als sie »UnabsteigBAR« zu taufen, schließlich war das der HSV über 50 Jahre lang. Wenn Auswärtsfans am Stellinger Bahnhof ankamen, lachten sie vielleicht noch über all die titellosen Jahre des HSV und den aktuellen Rumpelfußball, spätestens wenn sie bei Drifte einkehrten, wussten sie, was Sache ist: Der HSV, unabsteigbar, Dino der Liga, erstklassig, für immer.

Nun geht es Drifte seit einiger Zeit nicht sonderlich gut. Zum einen steht sein Klub zum zweiten Mal in Folge tief im Abstiegskampf, zum anderen fürchtet er um seine Gäste. Schon im Frühjahr 2014 sagte er dem »Hamburger Abendblatt«, dass er seine Kneipe bei einem Abstieg umbenennen wolle. Allerdings möchte er »den ursprünglichen Namen nicht ganz verschwinden lassen. Aber vielleicht streichen wir den Namen durch und überschreiben ihn in ›UnfassBAR‹ oder ›AufsteigBAR‹«. »Absteige« käme allerdings nicht in Frage.

Vielleicht versucht er sich aber auch an einem neuen Gag, um Leute ins Lokal zu locken. Eine gute Idee hatte da etwa kürzlich eine eigentlich sehr unbekannte Band aus Los Angeles, zu deren Auftritten selten mehr als drei Freunde und acht streunende Hunde kamen. Sie nennt sich »Coldplay Secret Show« und spielte Ende 2014 eine »ausverkaufte Show vor vierhundert sehr wütenden Menschen«, wie der Sänger berichtete. Namensvorschlag für die »UnabsteigBAR«: »Kevin Keegan Autogrammstunde«. Oder er macht doch mal einen Friseursalon auf. Name: »Cutastrophe«.

Das Maskottchen

In den Neunzigern kamen Marketingstrategen auf die Idee, dass es eine total großartige Idee sei, im deutschen Fußball Maskottchen einzuführen. Knuffige Tierchen, die man am Spielfeldrand, im Spielertunnel oder auf Kindergeburtstagen abstellen konnte und die immer gute Laune verbreiteten. Beim HSV hatte das zur Folge, dass irgendwann eine oberkörperfreie Hummel die Fans grüßte. Warum? Weil der traditionelle Hamburger Gruß »Hummel, Hummel – Mors, Mors« lautet. Toll, dachten die Strategen, das passt! Leider stieß das Insekt nicht auf sonderlich viel Gegenliebe, und sobald es nur in die Nähe der Westkurve kam, wo die zähnefletschenden Kutten mit ihren Messern im Mund und den geballten Fäusten in der Tasche standen, sackte es vor Angst in sich zusammen. So schickten es die Erfinder bald in Frührente.


Hummel (grimmig oder keck), circa 1995 (Bild: Imago)

Der Nachfolger der Hummel war ein Dinosaurier. Auch hier ist der Grund naheliegend, dachten jedenfalls die Strategen, schließlich impliziere ein Dinosaurier ein hohes Alter. Dass die Riesenreptilien irgendwann ausstarben, war bei den ersten Überlegungen erst einmal nebensächlich. Seit 2003 dackelt also bei jedem Spiel der Dino vor den Tribünen auf und ab, oder er geht seinen Hobbies nach. Laut Homepage sind das: »Kindergeburtstage feiern, Essen, Schlafen.«

Mit den Jahren wurden die Fragen der Kinder allerdings immer sorgenvoller. »Dino, was ist Abstieg?«, fragten sie. Oder: »Dino, stirbst du dann?« Dino wusste darauf nie eine Antwort. Das müssen andere entscheiden, sagte sein Blick. Entscheiden die anderen, dass er im Falle eines Abstiegs durch eine Eidechse ersetzt wird? Macht Lotto King Karl weiter? Und wo wir schon dabei sind: Was geschieht eigentlich mit den HSV-Fanklubs »Saalkreisdinos«, »Stader Dinos«, »Elbdinos«, »Dinos 2000«, »Wümme-Dinos«, »Eggedinos 08«, »Die Moseldinos«, »Schwelmer Rautendinos 1887«? Vermutlich sieht man sie alle auf der Beerdigung mit dem Fanklub »Erstklassig«.

Zur neuen Saison erwarten wir dann die Rückkehr der Hummel, mit Valdas Ivanauskas als neuen Trainer im Schlepptau.