Die großen Endspiele des DFB-Pokals

»Uerdingen hatte Bayern im Sack«

Bayer 05 Uerdingen - FC Bayern München 2 : 1
26. Mai 1985, Olympiastadion Berlin

Ein Jahr später beim ersten Pokalendspiel im Berliner Olympiastadion half den Bayern gegen begeisternd aufspielende Uerdinger nicht einmal eine frühe 1:0-Führung.

Schon eine Minute später erzielte Horst Feilzer mit einem Volleyschuss den Ausgleich. Doch beim Torjubel verlor er seinen Kaugummi. Und ohne den wollte er nicht weiter spielen. »Dann bekomme ich einen trockenen Hals«, sagte Feilzer. Nach kurzer Suche fand er ihn wieder, säuberte ihn und konnte weitermachen. Wolfgang Schäfer schoss das 2:1 Siegtor und selbst »Bild«-Kolumnist Max Merkel musste eingestehen: »Uerdingen hatte Bayern im Sack.«

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Bayer 05 Uerdingen: Vollack, Wöhrlin, Herget, Brinkmann, van de Loo, Feilzer (60. Loontiens), Wolfgang Funkel, Friedhelm Funkel, Buttgereit, Schäfer, Gudmundsson (82. Thomas).
FC Bayern München: Aumann, Dremmler, Augenthaler, Eder, Matthäus, Lerby, Pflügler, Willmer (71. Rummenigge), Wohlfarth (60. Beierlorzer), Hoeneß, Kögl.

0:1 Hoeneß (8. Minute)
1:1 Feilzer (9. Minute)
2:1 Schäfer (66. Minute)

Besondere Ereignisse: Rote Karte für Dremmler (48.)
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1. FC Nürnberg – VfB Stuttgart 3:2 n.V.
26. Mai 2007, Olympiastadion Berlin

Hauptdarsteller in diesem Duell junge Meister gegen weisen Trainer hätten eigentlich die Torhüter sein sollen. Timo Hildebrand in seinem Abschiedsspiel und sein Nachfolger Rafael Schäfer. Jedenfalls bestand bei beiden die erhöhte Gefahr einer akuten Adrenalin-Vergiftung. Doch irgendwer, vielleicht sogar Hans Meyer, hatte das Drehbuch gestohlen und umgeschrieben. Tragische Helden wurden stattdessen Cacau und Marek Mintal. Erst durften beide noch jubeln, doch kurz darauf hatten sie bereits weinend das Spielfeld verlassen. Cacau war von Schiedsrichter Michael Weiner für eine Tätlichkeit gegen Wolf vom Platz geflogen und schluchzte untröstlich in sein Trikot. Und Mintal fiel einer Amokgrätsche Fernando Meiras zum Opfer.

Es gab also Prügel und Tränen. Das vielleicht beste Pokalendspiel der letzten Jahre wäre da fast zu einer melodramatischen Soap-Opera verkommen. Doch die verbliebenen Spieler besannen sich auf den Fußball, mit dem sie bis dahin die Liga farbgetupft hatten. Engelhardt sorgte für die erneute Führung der Franken, ehe Pardo kurz vor Schluss die Verlängerung erzwang. Jan Kristiansens Traumtor in der 109. Minute war schließlich der endgültige K.O. für den VfB. Zehn Stuttgarter fielen wie halbtot auf den Rasen, Cacau weinte immer noch oder schon wieder und Hans Meyer hatte nach 120 Minuten Wahnsinn nur noch eine Bitte: »Fragen Sie mich jetzt nicht, warum meine Mannschaft den Meister nicht an die Wand gespielt hat.« Dann lächelte er weise.

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VfB Stuttgart: Hildebrand, Osorio (68. Boka), Delpierre, Meira, Magnin, Pardo, Khedira, Hitzlsperger, Hilbert, da Silva (46. Gomez), Cacau.
1. FC Nürnberg: Schäfer, Reinhardt, Wolf, Nikl (73. Spiranovic), Pinola (115. Banovic), Galásek, Engelhardt, Kristiansen, Mintál (35. Polák), Sajenko, Schroth.

1:0 Cacau (20.)
1:1 Mintál (27.)
1:2 Engelhardt (47.)
2:2 Pardo (80., Foulelfmeter)
2:3 Kristiansen (109.)

Besondere Ereignisse: Rote Karte für Cacau (31., Tätlichkeit)