Die große Saisonvorschau: Köln und Darmstadt

Karneval wird abgeschafft

Wann ist aus Köln eigentlich so ein solider Verein geworden. Und muss Andrea Petkovic wirklich für Dirk Schuster Würstchen verkaufen? Unsere Saisonvorschau kennt die Antworten.

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1. FC Köln


Das ist neu: Der Klub, bei dessen Spielen in der vergangenen Saison die wenigsten Tore gefallen sind (74, im Vergleich zu 118 bei Eintracht Frankfurt, zum Beispiel) gibt sich plötzlich offensiv. Mit Anthony Modeste, Leo Bittencourt und Milos Jojic wurden Spieler verpflichtet, die wissen, wo das Tor steht. Es besteht also Hoffnung, dass der FC in der neuen Spielzeit nicht wieder neun Mal 0:0 spielt oder 15 Mal ohne eigenes Tor bleibt, jedenfalls lieferten die Testspiele gegen den FC Valencia (3:2) und Stoke City (2:1) darauf erste Hinweise. Keine Hoffnung besteht indes, dass Trainer Peter Stöger plötzlich zum Propheten einer bedingungslosen Offensive wird. Der Mann mag nicht so aussehen, aber die Ordnung auf dem Platz ist ihm heilig. Wie schädlich in diesem Zusammenhang der Abgang von Kevin Wimmer zu Tottenham ist, muss man abwarten.

Das fehlt irgendwie: Kölner Größenwahn. Den haben Stöger und Manager Jörg Schmadtke per Dekret abgeschafft und fast alle Kölner halten sich daran. Das ist einerseits bewundernswert (so viel Macht über Menschen hätten wir auch gerne mal), andererseits aber auch schade, weil der neue, geerdete FC nicht mehr so sehr viel zum Unterhaltungswert der Bundesliga beiträgt. Ja, soll denn der HSV das wirklich alles alleine schultern?

Aufreger der Sommerpause: Die ganz großen Aufreger gab es nicht, siehe oben. Neuzugang Modeste drohte bei der Saisoneröffnung vorübergehend eine Ohnmacht, als sich Geißbock Hennes in seiner unmittelbaren Nachbarschaft dual entleerte. Nun, ja. Vizepräsident Toni Schumacher forderte die Klubmitglieder bei derselben Veranstaltung auf, fleißig Kinder zu zeugen, um den HSV bei der Mitgliederzahl zu überholen, denn noch haben die Kölner 3000 weniger. Ja, nun. Es heißt, die örtlichen »Bild«-Reporter würden von Kollegen aus anderen Ressorts gelegentlich gegossen, weil sie sonst einzugehen drohten.

Wäre diese Mannschaft ein Youtube-Clip, dann dieser:

So wie in dieser japanischen Gameshow müssen auch die Gegner des FC das Loch in der Mauer suchen. Kritik an der Spielweise begegnet Trainer Stöger mit Unverständnis: »Gegen Mannschaften wie Leverkusen, Dortmund oder Mönchengladbach ist es nicht unsere Aufgabe, das Spiel zu gestaltet.« Soll heißen: Die anderen dürfen sich ruhig wieder hübsch verrenken.

11FREUNDE-Orakel: Wir würden ja zu gerne an dieser Stelle etwas Spektakuläres vorhersagen, etwa: »Der FC nimmt Kurs auf Europa!« Oder: »Erst fehlen die Punkte, dann zerfleischen sich Schmadtke und Stöger.« Aber weder das eine noch das andere wird passieren. In ihrer ersten Saison nach dem Wiederaufstieg landeten die Kölner auf Platz 12. So wird es wieder ausgehen, ungefähr jedenfalls. Und der Kölner Karneval wird per Volksabstimmung abgeschafft. Einfach zu unsolide, der ganze Kram.