Die große Saisonvorschau: HSV und Ingolstadt

Love Hurts

In Hamburg wird ein Füßchen von Weltformat gesucht, in Ingolstadt gibts kein Heldentum, schwer wird's für beide - die Saisonvorschau.

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Das ist neu: In der Sommerpause wurde nicht nur der Resozialisierungsgedanke aktiv gelebt und der bei Leverkusen in Ungnade gefallene Emir Spahic verpflichtet, sondern auch ein wenig Wind gegen die Sturmflaute gemacht. Mit 25 Toren in der abgelaufenen Saison hat der HSV die wenigsten aller Bundesligisten geschossen. Damit lässt sich weder ein Blumentopf gewinnen, noch die Stresshormonausschüttung aller am HSV partizipierenden Menschen gering halten. Das soll sich nun in der Abteilung Attacke mit der Verpflichtung des Hoffenheimer Stürmers Schipplock, der offensichtlich variablen Offensivkraft Gregoritsch und Batuhan Altinas von Bursaspor ändern. Über Schipplock sagt Knäbel, er habe »ein sehr gutes Anlaufverhalten und Tiefe in seinem Spiel«. Wie ein so gutes Anlaufverhalten nun konkret aussieht, ob parabellförmig, linear oder eingesprungen, testen wir gerade in unserem Innenhof, bleibt aber abzuwarten. Das Pokalspiel gegen Jena hat jedenfalls noch keinen Aufschluss darüber gebracht.

Das fehlt irgendwie: Einmal so ein richtig schöner Mannschafts-DVD-Abend beim Beiersdorfer. Das stärkt den Zusammenhalt. Alle kommen, und dann gibt es »Die drei Musketiere« und an der Stelle, an der d´Artagnan schreit »Einer für alle, alle für einen« springt Beiersdorfer auf, sagt, er müsse kurz auf den Topf, drückt Stop und lässt die mit offenen Mündern versammelte Mannschaft erstmal Gesehenes verarbeiten. Subtile Wertevermittlung halt.
Ansonsten fehlt es auf und abseits des Platzes vorne, hinten und in der Mitte an Struktur und Qualität. Und an einem Spieler wie Van der Vaart. Allerdings in ein bisschen jünger, ein bisschen fitter und ein bisschen motivierter. Und mit intaktem Privatleben. Was hatte der Mann einst für ein Füßchen von Weltformat! So eine Identifikationsfigur muss her. Einer, wegen dem die Lütten ihren Papa in den Fanshop schleifen, die Trikotbeflockungsmaschine heiß läuft und an dem sich die Mitspieler aufrichten. Und der kann ja auch anders heißen. Nur Fussballspielen sollte er wie die Hölle.

Aufreger der Sommerpause: Ein kleines Dorf sorgte für helle Aufregung. Und das hatte bei weitem nichts gallisches an-, sondern eine Menge notleidender Menschen in sich. Der HSV geriet in den Clinch mit der Hamburger Innenbehörde, als diese ungefragt ein paar Quadratmeter mehr an der vom HSV für Heimspiele als Parkplatz gepachteten Fläche abzwackte und dem bereits daneben co-existierenden Flüchtlingscamp anzuschließen. Das wollte der HSV nicht ungefragt hinnehmen. Die Debatte erregte aufs Schwerste die Gemüter und dem HSV wurde ein Mangel an allem Möglichen im Umgang mit der akuten Flüchtlings-Problematik vorgeworfen. Dieser fand sich vollkommen missverstanden, wäre es ihm doch nicht um das "ob gebaut wird", sondern lediglich um das "wo gebaut wird" gegangen. Geeinigt wurde sich darauf, eine "Willkommenskultur und einen konstruktiven Umgang mit den Geflüchteten" zu schaffen.

Wäre diese Mannschaft ein Youtube-Clip dann dieser:


Erinnert euch gefälligst an das Champions-League-Vorrundenspiel 2000 gegen Juventus Turin! Dieses sagenumwobene 4:4, wo man schon keine freudige Gänsehaut mehr hatte, sondern sich vielmehr vor Begeisterung 90 Minuten in leidenschaftlichstem Schüttelfrost wand. Schnitt. Klappe. HSV 2015. Das tut weh! Was für ein Verein, was für eine Stadt, was für eine Tradition. Und was für eine Magerkost. Schon an der ersten Aufgabe Jena aus der 4. Liga verschluckt. 4. Liga, Hallo?!  For the future back to the past, please!

11Freunde-Orakel: Da geht was! Sollte es eigentlich heißen. Das Rüstzeug sei womöglich vorhanden. Der HSV hat die Fans, um groß zu sein, er hat das Stadion dafür, er hat die Stadt dafür. Also frisch ans Werk, neues Spiel, neues Glück, richtige Entscheidungen treffen, richtige Leute verpflichten und an einem Strang ziehen. Und dann kommt, KRAWUMM, die Realitätsklatsche aus Jena, offenbart alt bekannte Schwächen und lässt jegliche Hoffnungsschimmer verblassen. Eine 3:2 Niederlage gegen einen Viertligist, der spielerisch mindestens gleichwertig war? Bedeutet für die neue Saison eher nichts Gutes.