Die Giftpfeile des Dieter Hecking

Taktisch klug

Rechtzeitig vor dem Spitzenspiel gegen die Bayern wird Dieter Hecking wieder grinchig. Ein wirksames Erfolgsrezept, findet Alex Raack.

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Es ist nicht offiziell verbrieft, ob Dieter Hecking Weihnachten mag oder nicht. Vermutlich aber feiert der Familienvater das Fest der Liebe, wie es sich gehört: mit heimeliger Musik, gutem Rotwein, frei von allen Sorgen.

Der Grinch hat als Kind schlechte Erfahrungen mit Weihnachten gemacht. Bis er sich irgendwann vornahm, allen anderen Kindern die Geschenke zu klauen, um die festliche Stimmung mit ein wenig schlechter Laune zu untergraben.

Der Grinch und der Dieter

Mit dem Grinch hat Dieter Hecking charakterlich zum Glück nicht viel gemeinsam. Nach Informationen dieses Magazins hat der Trainer des VfL Wolfsburg noch nie irgendwelche Geschenke geklaut. Optisch hingegen ähneln sich der Weihnachtshasser und der Wolfsburg-Coach jedoch auf so herrlich-frappierende Art und Weise, dass das Duo Grinch und Hecking selbstverständlich schon mal in unserer Rubrik »Bei der Geburt getrennt« auftauchte.

Dieter Hecking ist ein korrekter, loyaler Mann, ausgestattet mit so viel Gerechtigkeitssinn, wie man es von einem erwarten darf, der drei Jahre lang als Polizist arbeitete, ehe er seinen ersten Profivertrag unterschrieb. So ein Typ klaut keine Geschenke, er hätte höchstens den Grinch dingfest gemacht und den Behörden übergeben.

Entscheider auf dem Laufsteg der Eitelkeiten

Aber wenn er will, kann Dieter Hecking durchaus ungemütlich werden. Unbequem für Freund und Feind. Am Wochenende schoss sein Stürmer Bas Dost zwei Tore beim 2:0-Sieg gegen Hertha BSC, doch Hecking lobte nicht, er erteilte dem Niederländer eine Lektion. »Diesen Egoismus, den brauchen wir hier nicht«, strafte Hecking seinen Spieler ab, weil der in den Tagen vor dem Hertha-Kick mit zur Schau gestellter Miesmuscheligkeit unterwegs gewesen war. Sein Trainer hatte ihn am Dienstag im Champions-League-Spiel gegen ZSKA Moskau vorzeitig ausgewechselt. Dost schmollte anschließend hingebungsvoll, Hecking ließ ihn trotzdem gegen die Berliner spielen, Dost schoss die Tore – erst dann bekam er die volle Breitseite seines Chefs zu spüren. So muss man sich als Entscheider auf diesem Laufsteg der Eitelkeiten verhalten, um Erfolg zu haben.