Die fünf größten Überraschungen der Vorrunde

Chrrramas und der Pitbull

Bei jeder WM gibt es Spieler, die erst kaum jemand kennt. Dann spielen sie jedoch furios auf. Wir stellen nach der Vorrunde fünf von ihnen vor.

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Guillermo Ochoa, Mexiko
Nach dem Spiel gegen Mexiko suchte Brasiliens Torhüter Julio Cesar Trost bei seinem Sohn. Vergeblich. »Du warst ganz gut, Papa, aber dieser Mexikaner. Wow...« Dieser Mexikaner heißt Guillermo Ochoa und brachte Brasiliens Angreifer beim 0:0 im zweiten Gruppenspiel zur Verzweiflung. Was sich Neymar und die anderen auch einfallen ließen, Ochoa war zur Stelle. Seine Locken flogen durch die schwüle Luft von Fortaleza, als Symbol für die Unbezwingbarkeit der Mexikaner an diesem Tag. Dabei wusste Ochoa lange nicht einmal, ob er bei der WM überhaupt spielen darf. Trainer Miguel Herrera entschied sich erst im letzten Moment für Ochoa und gegen dessen Konkurrenten José Corona. Eine ganz gute Entscheidung, so weit.

Gary Medel, Chile
Zu Hause nennen sie ihn "Pitbull", was nicht nur an seiner aggressiven Spielweise, sondern auch daran liegt, dass zwischen Medels muskulösem Nacken und seinem Kopf nur bei genauerem Hinsehen ein Hals erkennbar ist. In Brasilien hat Medel die gegnerischen Angreifer mit Erfolg vom eigenen Strafraum weggebissen. Der 26-Jährige bildet mit Gonzalo Jara und Mauricio Isla die kleinste Abwehrformation dieser WM. Kein Spieler ist größer als 1,78 Meter, Medel bringt es sogar nur auf 1,72 Meter. Damit ist er genauso klein wie Spaniens Mittelfeldästheten Xavi und Iniesta, verfügte in Brasilien aber über deutlich mehr Biss.

James Rodriguez, Kolumbien
Es gibt im spanischsprachigen Raum die Angewohnheit, englische Vokabeln beharrlich spanisch auszusprechen. Das Gleiche gilt für französische, italienische, deutsche und alle anderen fremdartigen Worte. Wer Rodriguez' Vornamen also landestypisch korrekt aussprechen will, muss sich räuspern wie bei einer Rachenentzündung. Chrrrames Rodriguez also steht hier exemplarisch für eine Reihe kolumbianischer Spieler, die bisher überzeugten. Pablo Armero, Juan Cuadrado, Teofilo Gutierrez oder Jackson Martinez. Rodriguez ist aber zweifellos der talentierteste von ihnen. 22 Jahre jung, Offensivkraft und beim Nobelklub AS Monaco angestellt. Ihm wird eine erfolgreiche Karriere vorausgesagt. Eine, die ihn nach Madrid, Barcelona, Mailand oder London führen könnte. Dort würden sie Chrrrames dann wohl fälschlicherweise James nennen.

Joel Campbell, Costa Rica
Campbell hat alles, um im Hochgeschwindigkeitsfußball dieser Tage zu triumphieren. Er ist schnell, torgefährlich und verfügt über einen linken Fuß mit der Kraft eines Lukas Podolski. Im ersten Gruppenspiel gegen Uruguay zeigte der 22-Jährige gleich sein Können. Talentscouts rieben sich verwundert die Augen, notierten aufgeregt seinen Namen und dürften diesen nach kurzer Recherche gleich wieder gestrichen haben. Campbell spielte in der vergangenen Saison zwar bei Olympiakos Piräus, gehört aber dem FC Arsenal aus London. Arsène Wenger weiß nicht erst seit dieser WM, wie gut dieser Angreifer aus Costa Rica ist.

Enner Valencia, Ecuador
Valencia? Antonio Valencia! Klar, das ist der Angreifer von Manchester United. Der einzige Weltklassespieler im Kader von Ecuador. So jedenfalls die gängige Meinung vor der WM. Antonio Valencia war auch jenen ein Begriff, die sich nicht täglich mit Fußballspielern vom Äquator beschäftigen. Enner Valencia fristete dagegen ein Dasein im Schatten seines bekannten Namensvetters. Damit dürfte es nun vorbei sein. Während Antonio enttäuschte, war Enner der auffälligste Spieler Ecuadors. Er schoss drei Tore in drei Spielen, die am Ende zwar nicht für den Einzug ins Achtelfinale reichten, dem in Mexiko bei Pachuca angestellten Fußballer aber demnächst einen besser dotierten Vertrag in Europa bescheren dürften. Valencia? Enner Valencia!