Die fünf größten Comebacks des FC Bayern

»Eine der schönsten Niederlagen in der Geschichte des FC Bayern!«

10. April 2008
Uefa-Cup
Viertelfinal-Rückspiel
FC Bayern München – FC Getafe 3:3
Sogar der spanische König Juan Carlos roch nach dem 1:1 im Hinspiel die Sensation und gab sich im Madrider Süden die Ehre. Für Getafe startete das Match ungünstig: Ruben de la Red flog nach fünf Minuten vom Platz: Rot wegen Notbremse. Eine umstrittene Entscheidung, den Bayern war es egal. Die Situation schien perfekt, um das peinliche 1:1 vom Hinspiel in der Allianz Arena als kleines Hoppala aus den Geschichtsbüchern zu tilgen. Denkste! 44. Minute: Cosmin Contra, schon im Hinspiel mit seinem Tor der Bayern-Schreck, setzte zu einem messiesken 50-Meter-Solo vorbei an Lucio und van Bommel an und knallte den Ball unter die Latte. Die Bayern im Viertelfinale raus? Gegen Getafe? Ein wütender Sturmlauf begann. Die 89. Minute: Langer Ball, Luca Toni legte mit dem Kopf ab, Franck Ribery dropkickte zum Ausgleich. Die Bayern retteten sich in die Verlängerung. Und die begann mit zwei Stichen ins Bayernherz: Casquero und Braulio begruben die Bayern-Hoffnungen, 3:1. Für Oliver Kahn schien diese letzte Saison auf europäischer Bühne traurig zu Ende zu gehen. Doch der Immer-weiter-Mythos lebte, die große Stunde des Italieners schlug. Luca Toni nutzte in der 115. Minute erst einen groben Patzer von Getafe-Keeper Roberto Abbondanzieri und köpfte in der letzten Aktion des Spiels die Bayern ins Halbfinale. Die spanische Presse schrieb: »Getafe stürzt an der Schwelle zum Paradies.«

7. April 2010
Champions League Viertelfinale
FC Bayern München – Manchester United 2:3
»Robäääääääänn!! Ein unfassbares Tor!«, brüllte Wolff Fuss ins Mikrofon im »Old Trafford« in Manchester. Arjen Robben hatte soeben einen Eckball durch 20 Beinpaare hindurch ins Tor gevolleyt. Wie ein schüchterner Schuljunge lauerte er an der Strafraum-Grenze und deutete Franck Ribery mit dem Zeigefinger seinen Wunsch auf ein Anspiel an. Zitat: »Ein schöner Ball von Franck. Ich konnte abwarten und schießen.« Nach 40 Minuten waren die Bayern eigentlich ausgeknockt: 0:3 und eine Leistung, die ein Debakel befürchten ließ. Wieder gegen Manchester, wie in den dunklen Minuten 1999, wieder in der Champions-League. Ivica Olic, der im Hinspiel nach ungefähr 87 gelaufenen Kilometern noch in der Nachspielzeit zum 2:1 sprintete, verkürzte mehr zufällig als gewollt noch vor der Halbzeit zum 1:3. Die letzten Minuten der ersten Hälfte machten sogar ein wenig Hoffnung. Manchester mauerte nach Gelb-Rot für Rafael ab der 50. Minute nur noch zu zehnt. Rafael, damals ein 20-jähriger brasilianischer Jüngling, hatte im Spiel seines Lebens bis dahin Franck Ribery an der Leine gehalten. Das war nun vorbei. Die Bayern warfen alles nach vorne, Ribery, Robben, Gomez, sie alle wollten ins Halbfinale. Robben erhob den Zeigefinger, traf, drehte ab und verzog beim Jubeln das Gesicht zur Sieger-Grimasse. Franz Beckenbauer sinnierte anschließend gewohnt auf Kant-Niveau: »Das ist eine der schönsten Niederlagen in der Geschichte des FC Bayern!«