Die fünf Erkenntnisse des Supercups

Hoffnung für die Bayern-Konkurrenz

Der VfL Wolfsburg gewinnt den Supercup gegen schwache Bayern. Fünf Auffälligkeiten des Spiels machen der Liga Hoffnung auf eine spannende Spielzeit.

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Saisonauftakt oder besseres Testspiel? Diese Diskussion schwebt wie eine Wolke über dem Supercup. Das diesjährige Duell zwischen Bayern München und dem VfL Wolfsburg wurde von beiden Teams überraschend ernst genommen – und bot damit mehr Erkenntnisse, als vorher zu erwarten war. Zum Beispiel:

Guardiola will Titel – notfalls pragmatisch

Guardiola wird gerne zum Idealisten stilisiert, der mit seinem tiki taka lieber in Schönheit stirbt. Bei den Bayern ist jedoch Guardiola weit weniger idealistisch als sein Ruf. Der Supercup gegen Wolfsburg deutete an, dass die Bayern diese Saison noch einen Schritt weiter gehen können.

Den taktischen Fokus auf das Zentrum, zu Barca-Zeiten sein Markenzeichen, hat Guardiola schon in der vergangenen Saison aufgegeben. Er weiß, wo die Stärken der Bayern sind: auf den Flügeln. Dort sollten sich Arjen Robben und Neuzugang Douglas Costa im Eins-gegen-Eins durchsetzen. Viel mehr noch: Lange Ballstaffetten oder Kurzpass-Orgien gab es von den Bayern kaum zu sehen. Sie spielten schnörkelloser, direkter in die Spitze – worunter vor allem die Genauigkeit litt. Es scheint, als gehe Guardiola noch pragmatischer in die neue Saison: Schön ist, was gewinnt.

Guardiola beantwortet die Lahm-Frage auf seine Weise

Philipp Lahm auf rechts oder in der Mitte – wo soll der Weltmeister denn nun ran? Jeder Experte hat seine eigene Antwort auf diese Frage. Pep Guardiola bewies im Supercup, dass es keine „Entweder-Oder“-Frage sein muss. Zunächst lief Lahm als rechter Verteidiger auf. Dabei bewegte er allerdings so häufig ins Zentrum, dass man ihn kaum mehr als rechter Verteidiger bezeichnen kann. Lahm war ein verkappter Mittelfeldspieler, der allenfalls defensiv hinten rechts aushalf.

In der Schlussviertelstunde durfte Lahm in der Zentrale ran und stellte gleich seine Dynamik unter Beweis, indem er zweimal knapp ins Abseits sprintete. Lahms Stärke ist seine Vielseitigkeit. Pep Guardiola wird sie auch in der kommenden Saison nutzen – und macht damit die Frage obsolet, ob Lahm Rechtsverteidiger oder Mittelfeldspieler ist. Er ist beides.

Alonso ist eine Schwachstelle

Xabi Alonso hat nicht nur den entscheidenden Fehlschuss im Elfmeterschießen zu verantworten. Seine Leistung in den 90 Minuten zuvor war wenig ansprechend. Alonsos Timing in der Defensive stimmte selten, sodass die Bayern im Mittelfeldzentrum seltsam unkompakt standen.

Die fehlende Geschwindigkeit des Spaniers wird mittlerweile zum großen Problem – nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Alonso verlangsamte das Tempo, wenn es eigentlich hätte schnell gemacht werden müssen. Im Spielaufbau kauften ihm Jerome Boateng und Thiago den Schneid ab. Sie spielten die entscheidenden Pässe, nicht Alonso. Bleibt angesichts des Neuzugangs Arturo Vidal noch Platz für Alonso?