Die Farce um Viktor Skripniks Entlassung

Postfaktische Notlügen

Nach dem 1:4 in Gladbach sagt Sportdirektor Frank Baumann: »Wir sind von Viktor Skripnik überzeugt!« Tags darauf wird der Coach entlassen. Eine typische Bundesliga-Posse.

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Der SV Werder Bremen hatte gerade erst auf ziemlich deprimierende Weise mit 1:4 in Mönchengladbach verloren, da bat Bremens Sportdirektor Frank Baumann bereits inständig, man möge jetzt doch bitte keine Personaldiskussion führen, im übrigen sei man »von Viktor überzeugt«.  Am gleichen Abend jedoch war es eben jener Frank Baumann, der mit den Gremien des Klubs eine intensive Personaldiskussion führte, an deren Ende alle gar nicht mehr so sehr von Viktor überzeugt waren. Folgerichtig wurde der Coach am Sonntagmorgen beurlaubt. 

Ein Vorgang, der wieder einmal Rätsel aufwirft: Warum bringen sich Bundesliga-Funktionäre eigentlich immer wieder völlig unnötig in die Situation, nur wenige Stunde später gerade erst im Brustton der Überzeugung verkündete Dementis und Unwahrheiten korrigieren zu müssen? Warum ist Frank Baumann am Samstagabend nicht einfach an den wartenden Reportern vorbeigegangen? Oder hat auf entsprechende Nachfragen nicht schlicht geantwortet, dass man sich an öffentlichen Diskussionen nicht beteiligen werde?

»Notfalls auch in die 2.Liga«

Baumann steht damit nicht allein. Inzwischen ist es ja beinahe ein Gesetz der Fußball-Branche, dass sich ein Trainer immer dann besonders große Sorgen machen muss, wenn ein Funktionär ihm zuvor seine hundertprozentige Unterstützung zugesagt oder, noch schlimmer, verkündet hat, man werde mit dem Coach »notfalls auch in die 2.Liga« gehen. Dann sitzt nämlich der gleiche Funktionär am nächsten Morgen im Presseraum und kann eloquent erläutern, warum es mit dem Coach einfach nicht mehr weiterging.

Die dreiste Herumlügerei betrifft natürlich nicht nur die Trainerposten, sondern auch jede andere Art von Personalentscheidungen. Unvergessen, wie Klaus Allofs vor Jahresfrist mal kühn die Prozentrechnung reformierte, indem er die Wahrscheinlichkeit des Verbleibs von Kevin de Bruyne beim VfL Wolfsburg dreist auf 99,9 Prozent taxierte, was nichts daran änderte, dass der Belgier in Windeseile zu Manchester City wechselte.