Die erstaunliche Geschichte des einarmigen Profis Santiago Arroyave

Der einarmige Held von Itagüí

Santiago Arroyave hat ein Handicap. Und doch steht der junge Kicker aus Kolumbien vor einer Profikarriere. 

imago

Die jüngsten Gratulanten kamen aus Buenos Aires. Argentiniens Carlos Tevez und Kolumbiens Sebastian Perez schickten Ende Juli via Instagram Grüße nach Itagüí. Die beiden Profis der Boca Juniors hatten vom bemerkenswerten Kampf des Santiago Arroyave erfahren. Einem 19 Jahre alten Nachwuchskicker der Leones aus Itagüi. Mit Perez verbindet Santiago schon seit längerer Zeit eine Freundschaft, nun wollte der kolumbianische Profi dem jungen Mann aus dem Vorort Medellins eine besondere Freude machen. Er habe hier einen Freund, der ihn grüßen möchte, sagte Perez und gab das Smartphone weiter an Tevez. »Santi, Crack, Phänomenq, sagt die Boca-Legende. »Ich schicke dir eine große Umarmung.« Und Santiago schreibt auf Instagram zurück: »Danke für die Unterstützung und den großen Gruß dieser beiden Cracks. Das ist es, was mich sehr motiviert, meinem Traum zu folgen.«

 

Das Portal »HBS Noticias« schrieb in dieser Woche über Santiago Arroyave, das sei die wahre Hand Gottes, in Anlehnung an das legendäre Handspiel von Diego Maradona und dessen anschließender Rechtfertigung bei der WM 1986 in Mexiko. Santiago Arroyave ist ohne seinen linken Arm zur Welt gekommen. Phokomelie nennen das die Mediziner. Und bezeichnen damit eine Fehlbildung der Gliedmaßen »mit flossenartigem Sitz der Hände bzw. Füße am Schulter- bzw. Hüftgelenk oder fehlenden langen Röhrenknochen der Gliedmaßen« wie es im Online-Lexikon steht. Das aber hinderte ihn nicht daran, an der Verwirklichung eines großen Traums zu arbeiten. Er will Profi-Fußballer werden.

»Ich habe vor dem Spiel vor Aufregung nicht schlafen können«

 

Im Mai gelang ihm ein erster großer Schritt in diese Richtung. In der Partie des kolumbianischen Pokals, der Copa Águila, wurde Santiago erstmals in einer Profi-Partie eingewechselt. Auf seinem Instagram-Account haben sich die Szene seiner Einwechslung inzwischen mehr als 120.000 Menschen angesehen. Die Meldung seines Profi-Debüts verbreiteten Nachrichtenagenturen um die ganze Welt. Kurz vor Schluss betrat Santiago unter dem Jubel der Fans im Spiel gegen Deportivo Pereira das Feld. Das Spiel ging zwar 0:1 verloren, aber am Ende beglückwünschten Mitspieler wie Gegner den Debütanten zu seinem ersten Spiel. 

»Ich habe vor dem Spiel vor Aufregung nicht schlafen können, als ich erfahren hatte, dass ich im Kader stehe«, berichtete Santiago in den kolumbianischen Medien. Er sei der schönste Tag seines Lebens gewesen, den er nie vergessen werde. Seine Mutter Olga Canas sagte der Tageszeitung »El Colombiano«: »Wir konnten nicht bei ihm sein, weil wir selbst arbeiten mussten. Aber sind sehr glücklich, dass Santiago das erleben kann. Alles ist eine Belohnung für seine Anstrengung, seine Hingabe und seine Konstanz.«

Die Menschen verfolgen seine Karriere

 

Auch Sebastian Perez sah den kurzen Clip, die beiden freundeten sich an und Santiago bat Perez um den Gruß seines Idols Carlos Tevez. Und der erfüllte ihm seinen Wunsch. Inzwischen ist Santiago in Kolumbien selbst ein kleiner Star geworden. Die Menschen verfolgen seine Karriere, mehr als 100.000 Fans hat er auf Instagram. Er zeigt wie hart er trainiert und wie er seine Behinderung mit Humor nimmt. Ob er tatsächlich eine Chance hat, im Profifußball Fuß zu fassen, muss er noch beweisen. In der zweiten Mannschaft der Leones erzielte Santiago inzwischen einige Tore. Seine guten Leistungen waren auch der Grund dafür, warum ihn Trainer Juan Carlos Álvarez für das Pokalspiel nominierte.

 

Seine Mitspieler helfen ihm dabei, die alltäglichen Dinge zu bewältigen. Schuhe anziehen und zubinden. Auf dem Platz aber muss er sich alleine bewähren und kann auf keinen Sonderbonus setzen. »Er hat es geschafft, seinen körperlichen Nachteil auszugleichen. Er ist passsicher und hat eine gute Spielübersicht«, lobte ihn Trainer Alvarez. Die lateinamerikanischen Medien verfolgen seinen Weg inzwischen gespannt. Die kontinentalen Sportsender berichteten in dieser Woche über die Episode mit Carlos Tevez. Wenn es nach Santiago geht, sollen es schon bald neue sportliche Erfolgsmeldungen sein. In den nächsten zwei, drei Jahren wird sich entscheiden, ob er den Sprung schafft in den Profi-Fußball. Den größten Sieg hat er schon jetzt eingefahren: Einmal in einem Profi-Spiel auf dem Platz zu stehen.

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