Die Erfolgsgeschichte der Würzburger Kickers

Hollerbach will zurück in die erste Liga

Bocksen sich die Kickers also noch in die erste Liga? Die Frage klingt vermessen, aber dort will Bernd Hollerbach tatsächlich hin. Zwar geht es in der kommenden Saison für ihn nur darum, die Klasse zu halten, aber: »Mein Ziel ist es, wieder einmal da zu trainieren, wo ich auch selbst gespielt habe, in der ersten Liga.« Und das am liebsten mit dem Herzensverein. Hollerbach will »einen schlafenden Riesen« wecken und rechnete einer Sportzeitung gar ein Einzugsgebiet von 1,8 Millionen möglichen Zuschauern vor. Teile von Frankfurt und Nürnberg hatte er dabei wohl gleich mal mitgezählt. Thorsten Fischer legte noch einen drauf und erzählte im Bayerischen Fernsehen von seiner Vision, dass die Kickers irgendwann die Nummer eins in Franken werden. Es ist nicht bekannt, ob sie beim Club in Nürnberg gelacht oder Angst gekriegt haben.

Die Stadt will den Stadionausbau mit sieben Millionen unterstützen

Auch im Würzburger Rathaus schei­nen sie dem Braten noch nicht so recht zu trauen, die städtische Homepage mel­det: »Derzeit spielen die Kickers, in Würzburg auch Rothosen genannt, in der 4. Liga.« CDU-Oberbürgermeister Christian Schuchardt weiß allerdings schon vom Aufstieg, er hat die Mannschaft ja danach im Rathaus empfangen. Zuvor allerdings verursachte er etwas Wirbel, weil er mitten im Aufstiegskampf die Fusion des Klubs mit anderen Vereinen forderte – unter einem neuen Namen. Dann gab es auch noch Ärger, als er gönnerhaft sagte: »Ich weiß, Profifußball ist das Theater des kleinen Mannes.« Doch Politiker haben auch was von Fußballtrainern: Bei massivem Gegenpressing ändern sie blitzartig die Taktik. Unversehens kündigte der Oberbürgermeister an, dass die Stadt den Stadionausbau mit sieben Millionen Euro unterstützen wolle. 

Das »Wunder von Bernd« kann also weitergehen. Das Wortspiel stammt übrigens nicht von geistreichen Journalisten. »Das Wunder von Bernd – Geschichten von der Ersatzbank« heißt ein Buch des Münchner Autors Volker Keidel, das vor zwei Jahren erschien. Darin berichtete Keidel, was er mit Bernd Hollerbach erlebte, als sie gemeinsam in der C-Jugend des ASV Rimpar kickten. Denn damals konnte dieser »einfach mal den Ball aus 40 Metern reinschießen«. Wenn das nicht schon mal ein Wunder war.

Holger Welsch ist Lokalredakteur der in Würzburg erscheinenden „Main-Post“.